Jahreskreis
Wintersonnenwende & Rauhnächte
Licht und Dunkelheit
Die Sonne ist die Quelle des Lebens. Wir brauchen die Sonne für Licht und Wärme. Außerdem liefert sie die Energie, die für das Wachstum der Natur und allen Lebens notwendig ist. Die Sonne steuert das Leben auf unserem Planeten. Sie gibt den Takt zwischen Tag und Nacht und den Wechsel der Jahreszeiten an. Deshalb beten viele Völker der Erde die Sonne als Ausdruck des Göttlichen an.
Aber wir brauchen eben nicht nur das Licht, sondern auch die Dunkelheit. Licht steht auch für die männliche Energie und Dunkelheit für die Weibliche. In unserem menschlichen Energiekörper haben wir den rechten Energiekanal, Pingala Nadi, der für die Sonne und die männliche Energie steht und den linken Energiekanal, Ida Nadi, der für die weibliche Energie steht und auch Mondkanal genannt wird. Die Atemübungen, die den jeweiligen Energiekanal aktivieren heißen Surya (Sonne) und Chandra (Mond) Bhedhana. Und es geht darum, beides in einen Ausgleich zu bringen.
Es ist also nicht eines besser als das andere, sondern beide sind gleichwertig. Wir brauchen die Empfänglichkeit, die weiblich ist, genauso, wie die Aktivität, die wir dem Männlichen zuordnen können. Das Gefühl genauso, wie den Verstand, die Verbindung nach Innen genauso, wie die nach außen.
Ein Baby wächst in der Dunkelheit des Bauches der Mutter, in der Dunkelheit der Nacht geschieht Heilung und Regeneration. In den Zeiten, in denen es kein künstliches Licht gab, war die Dunkelheit die Mutter, die uns zur Ruhe rief und die Menschen dazu brachte ihre Geschäftigkeit zu unterbrechen. In der Dunkelheit ruht man und hat Zeit sich nach Innen zu wenden. Und hier in unserem Inneren begegnen wir unserer eigenen inneren Dunkelheit. Es wird nicht umsonst Schattenarbeit genannt, wenn wir unsere Traumen und Ängste transformieren.
Wir brauchen die Balance zwischen Licht und Dunkelheit und genau diese Balance liefert uns die Natur über das Jahr gesehen in absoluter Perfektion. Und wie so oft, hat der Mensch es auch hier geschafft, sich durch künstliches Licht und die vorweihnachtliche Geschäftigkeit sehr weit von seinem natürlichen Rhythmus zu entfernen.
Wir machen die Nacht zum Tag und finden immer neue Dinge, mit denen wir uns ablenken können und die uns davon abhalten nach Innen zu schauen. Es scheint so, als würden die Menschen alles tun, um der Innenschau zu entgehen. In dieser dunklen Zeit des Jahres werden diese Dysbalancen für mich immer wieder sehr deutlich.
Im Sommer ist es natürlich, dass wir viel raus gehen, im Außen und in der Aktivität sind. Aber im Winter ist die Zeit für Ruhe, Innenkehr und Regeneration. Die immer früher eintretende Dunkelheit ruft uns nach Innen. Aber was machen die Menschen?
Sie glauben, das ganze Jahr über wie ein Uhrwerk immer gleich funktionieren zu müssen. Aber das ist unnatürlich und viele merken das. Ich höre es von vielen Menschen in meinem Umkreis, dass sie müde sind und eigentlich viel mehr Ruhe haben oder schlafen wollen. Und viele denken, dass irgendwas mit ihnen nicht stimmt.
Aber ich würde sagen, es ist alles sehr natürlich. Unsere innere Uhr und der ganze Hormonspiegel hängen doch von der Sonne ab. Und wenn es dunkel ist und das Sonnenlicht fehlt, dann werden wir müde.
Tiere legen sich zum Winterschlaf. Bäume werfen ihre Blätter ab, die ganze Natur zieht sich zurück. Warum sollte das für uns anders sein? Also mein Tipp wäre an der Stelle, dass du sanft und liebevoll mit dir umgehst und dir so viel Ruhe wir möglich gönnst, wenn du das so fühlst. Du darfst deinem Körper vertrauen. Er wird es dir danken und Deine Energie wird bald zurückkommen.
Natürlich ist es wichtig, dass Du dich gesund ernährst und genug Bewegung an der frischen Luft hast und auch die Momente nutzt, wenn die Sonne da ist, um etwas von ihrem Licht zu erhaschen. Aber wenn Dein Körper nach Ruhe verlangt, dann ist nichts falsch daran. Es ist einfach der natürliche Rhythmus. Und womöglich ist es auch so, dass wir das deutlicher spüren je bewusster und natürlicher wir sind.
Also wenn du schon viel an Dir gearbeitet hast und sehr bewusst bist, dann spürst du wahrscheinlich auch die natürlichen Rhythmen der Natur deutlicher als jemand, der eher unbewusst lebt und noch dicke Schichten um sich herum hat.
Die Wintersonnenwende
Was hat das jetzt alles mit der Wintersonnenwende zu tun?
Wenn man den Lauf der Sonne mit dem Mondzyklus vergleicht, dann haben wir zur Wintersonnenwende Neumond, bzw. Neu-Sonne. Es ist der dunkelste Zeitpunkt im Jahr. Spannend ist, dass wir dieses Jahr 2025 zur Wintersonnenwende tatsächlich auch Neumond haben. Es wird also ganz besonders dunkel.
In der Zeit zwischen der Sonnenwende im Sommer und der im Winter haben wir „abnehmende“ Sonne. Es wird täglich dunkler, das Licht schwindet. Jetzt zur Wintersonnenwende ist Neu-Sonne. Jetzt ändert die Sonne ihre Richtung und das Licht nimmt ab jetzt wieder zu. Das neue Licht oder die neue Sonne wird geboren – kennst Du das irgendwo her?
Die Richtungsänderung der Sonne dauert 3 Tage. In diesen 3 Tagen geschieht scheinbar nichts. Die Tageslänge bleibt gleich. Die Sonne kommt an ihrem niedrigsten Stand an, hält dort und ändert die Richtung. Es passiert also schon etwas, aber es ändert sich nichts an der Tagelänge.
Natürlich ändert in Wirklichkeit nicht die Sonne ihre Richtung, sondern die Erde ihren Bezugspunkt in der Umlaufbahn und ihre Neigung. Die Jahreszeiten und unterschiedlichen Tageslängen kommen durch die Neigung der Erde und die sich dadurch verändernden Lichtverhältnisse während des Jahres zustande.
Spannend ist auch, dass sich der Winkel verändert, in dem das Sonnenlicht auf die Erde trifft. Vielleicht ist dir das auch schon aufgefallen, dass sich die Lichtverhältnisse und die Energie nach der Wintersonnenwende und spätestens ab dem 25. Dezember deutlich verändern.
Und auch wenn die Tage ab jetzt wieder länger werden, merkt man erstmal noch nicht so viel. Aber unter der Erde und unter dem Schnee beginnt die Natur sich neu zu regen und auf den kommenden Frühling vorzubereiten. Das Licht ist neu geboren und auch die Natur geht schon wieder in die Startlöcher.
Du kannst ja mal darauf achten, ob Du diese Energie des Neubeginns in den Tagen nach der Wintersonnenwende wahrnehmen kannst.
Die Rauhnächte
Was hat es nun mit den Rauhnächten auf sich?
Das Sonnenjahr – also ein Umlauf der Erde um die Sonne – dauert 365 Tage.
12 Mondzyklen zu je 29 Tagen dauern 354 Tage.
Der 354. Tag des Jahres ist der 20. Dezember. Danach sind 11 Tage, bzw. 12 Nächte übrig, bis das Sonnenjahr abgeschlossen ist.
Somit sind die 12 Rauhnächte (jede Rauhnacht geht von 0-24 Uhr) die Zeit „zwischen den Jahren“. Ihnen wohnt eine ganz besondere Energie inne, die sehr mystisch ist. In dieser Zeit sind die Schleier zwischen den Welten dünner und es ist besonders leicht nach Innen zu gehen und Kontakt aufzunehmen mit den Ahnen, mit der Quelle, mit der Natur, Pflanzen und Tieren, der eigenen Seele, unserem Herzen.
Es gibt auch die Tradition die Rauhnächte ab dem 25. Dezember zu beginnen, weil dann erst das Licht wieder länger da ist. In dem Fall gehen sie nicht bis zum 1. Januar, sondern bis zum 6. Januar. Fühle hier einfach in Dich hinein, was sich für Dich passend anfühlt. So wird es für dich richtig sein.
Es wird gesagt, dass jede Rauhnacht für einen Monat des kommenden Jahres steht. Deshalb wird diese Zeit ganz besonders achtsam und bewusst begangen:
Wie ist das Wetter? Wie ist die Stimmung allgemein? Wen trifft man? Wer kommt zu Besuch? Was träumt man? Was hast Du für Gefühle? Welche Themen zeigen sich? Was für Gedanken oder Ideen hast Du? Viele Menschen orakeln auch in dieser Zeit.
Ob man die Rauhnächte nun als Orakel für das kommende Jahr sieht oder einfach als eine besondere mystische Zeit. Sie sind auf jeden Fall die Einladung, uns nach Innen zu wenden, Zeit allein und mit unseren Liebsten zu verbringen, auch zu feiern, sich zu erinnern, dankbar zu sein und sich bewusst auf das neue Jahr auszurichten und einzuschwingen.
Als kleine Inspiration für die Rauhnächte habe ich Dir noch zwei Arbeitsblätter hinterlegt:
Die Reflexion des alten Jahres und die Jahresintension.
Damit kannst Du das letzte Jahr nochmal reflektieren und dich dann ganz bewusst auf das neue Jahr ausrichten. Ich finde es sehr hilfreich, das schriftlich zu machen, denn so hast Du es gleich manifestiert.
Als ein schönes Ritual mag ich persönlich, alles, was ich im alten Jahr zurücklassen und loslassen möchte, mit Dankbarkeit auf Papier zu schrieben und im Feuer zu verbrennen. Alles, was ich neu einlade, visualisiere ich mir in einer Mediation und fühle es, wie sich mein Leben anfühlt, wenn es so ist.
Ich wünsche Dir alles Gute, ganz wunderschöne segensreiche Rauhnächte und ein bewusstes neues Jahr!
Inspiriert aus dem Buch: Das Rätsel der Rauhnächte von Reinhardt Stiehle
Animation des Umlaufs der Erde um die Sonne:
https://youtu.be/OBrsKknKkkU?si=ywel6HmohCrFzmbb