Yoga

Warum Du nicht praktizierst und wie Du zu Deiner authentischen Praxis findest


Kennst Du das? Du möchtest eigentlich täglich Yoga und Meditation praktizieren, aber irgendwie schaffst Du es nicht?


In meinen Seminaren höre ich immer wieder von TeilnehmerInnen, dass sie zum Retreat fahren, um wieder in ihre Praxis zu kommen. Und dann kommen sie hochmotiviert nach Hause, aber schon nach wenigen Tagen oder Wochen bricht die Praxis wieder ein.


Eigentlich wissen sie ganz genau, wie gut ihnen das Yoga tut, aber sie finden einfach nicht die Zeit. Und selbst wenn sie dann einmal Zeit haben, räumen sie lieber auf oder bügeln die Wäsche.


Manche wenden sehr viel Disziplin auf, um ihre Praxis zu absolvieren, aber es fühlt sich mehr nach Erledigen und To Do Liste abhaken an als nach Freude und tiefer spiritueller Erfahrung.


Und für manche YogalehrerInnen sind die Yogastunden, die sie geben, die einzige Praxis.


Darüber möchte ich heute sprechen und mit Dir auf die Gründe dafür schauen und Dir eine Lösung anbieten, die ohne Motivationsparolen, erhobenen Zeigefinger oder Zeitmanagementtechniken auskommt und viel tiefer geht, als nur einen weiteren Programmpunkt in Deinem Alltag unterzubringen.


Bist Du bereit? Dann stelle ich Dir jetzt die alles entscheidende Frage. Und bitte wisch sie nicht einfach weg, sondern überlege ganz selbstehrlich. Drück vielleicht auch kurz Pause, um darüber nachzudenken.


Bist Du gestresst?


Ich meine nicht nur in dem Moment, wenn Du zu spät zur Yogastunde kommst, sondern generell. Bist Du gestresst?


Hast Du permanent das Gefühl getrieben zu sein? Gehst Du mit einem Haufen unerledigter Dinge auf Deiner To Do Liste ins Bett? Kannst Du manchmal nicht schlafen? Fällt es Dir schwer zu entspannen? Fühlt es sich womöglich sogar komisch an, wenn Du mal nichts zu tun hast und Dein Geist findet gleich die nächste Aufgabe, die ganz dringend erledigt werden muss?


Wie steht es um Deine Beziehungen? Nimmst Du Dir Zeit für Gespräche oder weichst Du Verabredungen eher aus, weil Du keine Zeit hast? Ist der Haushalt wichtiger als Meditation? Hast Du womöglich schon körperliche Anzeichen von Stress wie Verspannungen, Verdauungsbeschwerden oder Schwierigkeiten mit dem Schlaf?


Fühlt sich Dein Leben eher nach einem Hamsterrad an als nach einem Tanz der Lebensfreude? Geht es mehr um Erledigen und Schaffen als um Freude und Sein?


Dann kommt hier die harte Wahrheit:
Du befindest Dich in der Stressfalle.
Und ja, das passiert auch Yogalehrern und Yogalehrerinnen.


Dein Nervensystem läuft auf Flucht und Kampf und das dauerhaft. Als Yogalehrerin kennst Du wahrscheinlich diesen Mechanismus:


Von außen kommt ein Reiz, die Sinne und das Gehirn melden Alarm und sofort wird ein hochwirksamer Cocktail aus Hormonen und Botenstoffen in den Körper gesendet, der alle Systeme aktiviert und uns in einen Zustand von maximaler Leistungsfähigkeit versetzt.


Das ist super, wenn da ein Tiger auf uns zu kommt und wir wegrennen müssen. Denn das rettet uns das Leben. Durch das Rennen wird der Cocktail in unserem Blut verbraucht und wenn der Tiger weg ist, schütteln wir uns einmal und alles ist wieder gut. Achte mal auf die Tiere (Hund, Katze), wenn die sich aufgeregt haben, die machen das instinktiv, sie schütteln den Stress einfach ab.


Im 21. Jahrhundert funktioniert das aber leider nicht, denn wir sind dauerhaft viel zu vielen Reizen ausgesetzt und der Alarmzustand endet nicht. Und jetzt sind auf dem direkten Weg zu Krankheit und Burnout.


Warum erzähle ich Dir das? Damit Du verstehst, dass es nicht an Dir liegt. Dass Du nicht praktizierst, liegt nicht daran, dass Du zu wenig Disziplin hast oder keinen Geschmack an spiritueller Praxis findest. Dein Nervensystem ist nicht im richtigen Zustand.


Kein Mensch der Welt würde sich zur Meditation hinsetzen, wenn er gerade von einem hungrigen Tiger gejagt wird. Das ist einfach nicht der richtige Moment. Auch nicht für Yoga. Und die Bhagavat Gita hilft Dir in dieser Situation auch nicht. Erst musst Du Dein Leben retten. Und dann, wenn das Nervensystem wieder auf Parasympathikus, also auf Entspannung und Regenration läuft, dann ist der Moment dafür gekommen.


Denn in dem Moment, wenn Dein Nervensystem auf Entspannung umschaltet, wird es Dir wieder möglich Dich nach Innen zu wenden und den Geist zu fokussieren. Im Alarmzustand ist das sehr schwer bis gar nicht möglich.


Energetisch bist Du während des Stresses in den unteren 3 Chakren unterwegs, vor allem im Wurzelchakra, das für das Überleben zuständig ist. Spirituelle Erfahrungen finden ab dem Herzchakra statt. Du bist also auch energetisch weit davon entfernt.


Dein Gehirn will Dein Leben retten, deshalb hast Du auch ständig den Drang etwas tun oder erledigen zu müssen und kommst nicht zur Ruhe. Erst wenn das Nervensystem auf Parasympathikus, also auf Entspannung umschaltet, lassen die unteren Chakren die Energie frei und sie kann zum Herzen aufsteigen. Der Geist wird ruhig und kann sich nach innen fokussieren.


Das heißt nicht, dass Du kein Yoga machen sollst, wenn Du gestresst bist. Es würde Dir ja beim Entspannen helfen, wenn Du es machen würdest…


Ok. Du hast jetzt verstanden, dass es ganz natürlich ist, dass man wenig Drang zur spirituellen Praxis hat, wenn man gestresst ist. Aber was sollst Du jetzt tun?


Dazu muss ich nochmal ein wenig ausholen.
Es ist klar, dass es in diesem Moment für Dich erstmal nur ein Ziel gibt:


Raus aus dem Dauerstress!


Und zwar nicht nur einmal die Woche für eine halbe Stunde, sondern komplett. Aber wie soll das gehen? Du kennst die ganzen Entspannungsmethoden von Yoga Nidra über Wechselatmung bis hin zu kleinen Achtsamkeitsübungen wie die Hände auf dem Schreibtisch spüren.


Aber Du hast ja keine Zeit!


Und genau dazu sage ich Dir jetzt eine Wahrheit:


Keine Zeit heißt übersetzt: Es ist mir nicht so wichtig.


Niemand würde an einer gefrorenen Pizza lecken und sagen: Ich hatte keine Zeit zum Backen. Und es würde auch niemandem einfallen es zu riskieren auf der Autobahn liegen zu bleiben, nur weil er keine Zeit zum Tanken hat.


Wenn uns Dinge wirklich wichtig sind, dann nehmen wir uns die Zeit dafür. Dann machen wir Zeit dafür.


Jetzt denkst Du wahrscheinlich: Na toll, jetzt kommt sie doch mit diesen Motivationsweisheiten. Aber warte bitte kurz und lass uns den Gedanken weiterdenken.


Die gute Nachricht ist also: Es liegt nicht an der fehlenden Zeit, sondern an der fehlenden Priorität. Und das kannst Du ändern.


Bitte denke nochmal an die Fragen, die ich Dir zu Beginn gestellt habe und spinne diesen Zustand in dem Du Dich aktuell befindest, mal die nächsten 5, 10, 20 Jahre weiter. Immer nur rennen, wenig Lebensfreude, zerbrochene Beziehungen und viele erledigte Dinge, die Dich am Ende nicht erfüllen und womöglich noch Diagnosen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Krebs oder sonst was. Muss das sein?


Wenn es irgendwann richtig schlimm ist und ein Mensch auf die letzten 10 Jahre mit Bedauern zurückblickt, dann denkt er sich: Ach hätte ich doch. Und dann muss er etwas ändern, weil es sonst nicht mehr weiter geht. Weil er krank geworden ist, im Burn out steckt, was auch immer. Aber warum bis dahin warten?


Spirituelle Entwicklung und Evolution geschehen nicht durch Dauerstress. Sie geschehen durch eine gesunde Abwechslung von Anspannung und Entspannung, spirituelle Praxis und Reflexion. Dauerspannung führt irgendwann in Degeneration und Verfall.


Und dazu nochmal ein Wort an die Yogalehrer unter Euch: Wenn Du Yoga unterrichtest und gestresst bist und wenig bis gar nicht praktizierst – wie lange willst Du das machen? Ist das authentisch? Sollten wir nicht das verkörpern, was wir predigen?


Ich sage das jetzt nicht, um den Zeigefinger zu erheben, sondern um Dich zu der Einsicht zu bringen, dass Du womöglich ein Problem hast, das es sich zu lösen lohnt. Und wenn das so ist, dass Du im Dauerstress lebst, dann wird Dir nur eine Sache helfen:


Wenn Du verstehst, dass die ganze Sache wirklich wichtig ist, dann wirst Du Deiner Heilung Priorität einräumen und der Satz „Ich habe keine Zeit“ löst sich in Luft auf.


Wie ein Alkoholiker sich eingestehen muss, dass er süchtig ist, damit er eine Therapie beginnen kann, muss auch ein gestresster Mensch erkennen, dass er ein ernst zu nehmendes Problem hat, denn dann kann die Heilung beginnen.


Es geht also in erster Linie gar nicht darum, dass Du jetzt jeden Morgen diese oder jene Asana Serie absolvierst oder soundso lange auf dem Kissen sitzt, sondern es geht darum, dass Du Dich aus der Stressfalle befreist, denn dann kommt der Rest von selbst.


Und damit kannst Du dich hinsetzen und für Dich schauen, was für dich möglich ist. Wie kannst Du Deinen Alltag entspannter gestalten? Was kannst Du tun, um bewusst und aktiv zu entspannen? Was kommt aus Deinem Herzen?


Vergiss bitte alle Dinge, die Du solltest oder müsstest, sondern schaue einfach, was sich gut anfühlt, Dir Freiheit schenkt und das Gefühl, Dich ausdehnen zu können. Nimm jeden Druck raus.


Du musst auch nicht sofort die Lösung haben. Gehe mit dem Gedanken Dich in jedem Moment sicher und entspannt zu fühlen schwanger. Und ich bin mir sicher, Du wirst anfangen anders zu denken und andere Entscheidungen zu treffen. Du wirst anfangen Dich anders zu verhalten, dein Leben anders zu leben und dich anders zu fühlen.


Denn um entspannt zu sein, musst Du ein entspannter Mensch sein, der entspannte Gedanken hat und entspannte Entscheidungen trifft. Ein entspannter Mensch liebt sich selbst genug, um auch mal Nein zu sagen und macht es in erster Linie sich selbst recht und dann erst den anderen. Nicht aus Egoismus, sondern auch Selbstliebe, die er auch anderen zugesteht.


Ich kann Dir aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass der Moment, in dem ich mich dazu entschieden habe, ein entspannter Mensch zu sein, mein gesamtes Leben verändert hat und dieser Prozess, der dauert weiterhin an und ich verändere mich jeden Tag.


Und dabei geht es nicht darum diese oder jene Übung zu machen. Es geht darum entspannt zu sein und Entspannung zu verkörpern und zu leben. Und daraus resultiert ganz automatisch, dass ich gewisse Routinen nach und nach integriere. Aber ohne Zwang und ohne Stress, sondern weil es jetzt zu mir passt.


Ich lege mein gestresstes Ich ab und werde ein entspannter Mensch.


Wenn ich Dir Techniken empfehlen soll, die das unterstützen, dann würde ich auf jeden Fall Yoga Nidra empfehlen, denn hier wird Deine Aufmerksamkeit vom Körper über das Fühlen und den Atem in den unendlichen Raum geführt, was zu Ausdehnung führt. Es holt Dich also auf der feinstofflichen Ebene aus dem Drama der unteren drei Chakren, die für Erde-Körper, Wasser-Gefühle und Feuer-das Denken stehen, über das Herz (Luft-Atem) in den Raum, also bis zum Kehlchakra hoch. Hier findet kein Drama mehr statt und Du schaltest auf Entspannung um.


Eine ähnliche Wirkung haben auch die Ausdehnungsmeditation und die Meditationen von Dr. Joe Dispenza.


Auch Pranayama ist gut. Ganz besonders die Wechselatmung, weil sie das Nervensystem beruhigt.


Um die Stresshormone loszuwerden, kann es hilfreich sein, Ausdauersport zu machen. Im Wald joggen oder Radfahren empfehle ich ganz besonders, weil der Wald Dich sofort mit seiner ruhigen Energie umhüllt. Natur ist generell super.


Thai Chi, Qi Gong und Yoga natürlich.


Aber ich möchte an der Stelle noch einmal ganz deutlich sagen, dass es hier nicht darum geht, Dir noch einen Termin in Deinen vollen Alltag reinzudrücken, sondern es geht um eine generelle Veränderung Deines Denkens und Verhaltens mit dem Ziel ein entspannter Mensch zu sein.


Denn ein entspannter Mensch führt ein entspanntes Leben und hat ein entspanntes Nervensystem, entspannte Gedanken und einen entspannten Körper, mit dem er spirituelle Praxis machen kann.


Aber Du kannst nicht gleichzeitig ein gestresster und ein entspannter Mensch sein. Deshalb musst Du zuerst die Entscheidung treffen, Dein gestresstes ich abzulegen um Platz für das entspannte ich zu machen.


Und dann gehst Du ins Unbekannte und erforschst, wie Du ein entspannter Mensch sein kannst.
Du löst das Problem nicht von außen nach innen (Ich bleibe, wie ich bin und versuche mit viel Disziplin und Anstrengung etwas im Außen zu ändern und irgendeine Praxis in meinen Alltag zu quetschen), sondern von innen nach außen. Du änderst Deine Gedanken, diese führen zu anderen Entscheidungen, zu anderem Verhalten, zu anderen Ergebnissen, zu anderen Gefühlen – zu einem anderen Leben, zu einer neuen Realität mit einem anderen Zustand im Nervensystem – und plötzlich wird spirituelle Praxis ganz natürlich.


Du agierst nicht von der materiellen Ebene, sondern von der feinstofflichen Ebene und das an sich ist schon spirituelle Praxis!


Wie Albert Einstein schon sagte: Man kann ein Problem nicht in dem Bewusstsein lösen, mit dem es geschaffen wurde. (Du musst Dein Bewusstsein ändern).


Oder: Es ist Wahnsinn zu glauben, dass sich etwas ändert, wenn man nichts ändert.


Aber wenn Du Deine Gedanken änderst, dann änderst Du Dich und dann ändert sich alles!


Meiner Erfahrung nach sind die folgenden Fragen noch viel wichtiger als Entspannungstechniken. Wenn Du beginnst, Dir die richtigen Fragen zu stellen, dann unterstützen Dich Entspannungs- und Yogatechniken bei der Umsetzung, aber ohne die richtigen Fragen bleibt die Praxis Sport oder Entspannung und führt keine tiefgreifende Veränderung herbei.


Wenn Du Dir morgens und abends und immer wieder am Tag die richtigen Fragen stellst (und bitte ändere sie so für Dich ab, dass sie für Dich passen), dann wird sich definitiv etwas verändern:


Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte, dass XY passiert?
Wie würde ich dann denken? Wie würde ich mich dann verhalten?


Wenn ich mich sicher und entspannt fühlen würde, wie würde ich dann über die Situation denken? Was würde ich tun?


Wie würde ich reagieren, wenn ich in tiefer Selbstliebe verankert wäre?


Wie fühle ich mich, wenn ich mich vollkommen sicher, zufrieden, entspannt (…) fühle?


Und dann lass dieses Gefühl entstehen. Das funktioniert am besten, wenn Du Dir eine Situation vorstellst, in der es so ist. Und fühle es. Lass es in Deinen Körper sickern.


Ich hoffe, die Informationen helfen Dir weiter und Du kannst Dich nun auf Die Reise begeben, der Mensch zu sein, der Du wirklich bist oder der Du sein willst und dass Du das Leben führst, dass Du leben möchtest. Denn es geht um mehr, als eine Stunde Yogapraxis in den Alltag reinzuschieben. Es geht darum, der Mensch zu sein, der das verkörpert. Es geht nicht darum Yoga nur zu machen, sondern Yoga zu sein.


Und bei all dem bist Du natürlich nicht allein. Du kannst immer beten und das Göttliche um Führung und Unterstützung bitten. Und die kommt. Du kannst Dich mit anderen austauschen, vielleicht könnt ihr voneinander lernen.


Yoga ist mehr als ein Programmpunkt, der abgehakt werden muss. Es ist eine Einstellung, ein Lebensweg. Es soll dir helfen Dich zu ent-wickeln. Nicht im Sinne von Höher schneller weiter, sondern es will Dich von allem befreien, was Dich einengt und davon abhält wirklich Du Selbst zu sein und Deine Seele strahlen zu lassen.


Yoga ist der Weg. Yoga ist das Ziel. Und alle Yogatechniken sollen Dir dienen und Dich auf diesem Weg der Befreiung unterstützen.


Ich wünsche Dir alles Gute auf Deiner Reise. Schön, dass Du da bist!