Yoga Philosophie
Karma und Reinkarnation
Klassische Perspektiven
Seit ich mit Yoga begonnen habe ist eine neue Sicht in mein Leben gekommen. Nämlich die, dass ICH kein reines Körper-Geist Wesen bin, das nur dieses eine Leben hat und in diesem Leben so viel Spaß wie möglich haben will, sondern dass ICH in meiner wahren Essenz eine Seele, also ein spirituelles Wesen bin, das jetzt gerade eine materielle Erfahrung in einem Körper macht, an sich aber feinstofflich und ewig ist.
Weiterhin lernt man im Yoga, z.B. in der Bhagavat Gita, dass die Seele dem Karma, also dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterworfen ist und solange inkarniert, bis kein Karma mehr übrig ist. Dazu werden dann auch Erklärungen gegeben, wie man handeln kann ohne neues Karma zu erschaffen.
Das Bild, das ich vorher vom kirchlichen Hintergrund hatte, oder das mir im evangelischen Konfirmations-Unterricht vermittelt wurde, beinhaltete auch, dass das Leben nach dem Tod weiter geht. Aber je nach meinem Karma, wenn man es so nennen möchte, entweder Himmel oder in der Hölle.
Wenn ich also in meinem jetzigen Leben gute Taten vollbringe und ein guter Mensch bin, dann komme ich in den Himmel, wo ich in Saus und Braus lebe und wo alles schön ist, oder wenn ich schlechtes tue und mich schlecht verhalte, dann komme ich in die Hölle, wo ich auf ewig vom Teufel gequält werde.
Da war ich mit dem Bild, das mir die Gita vermittelt hat, schon besser dran. Aber es ist immer noch sehr ähnlich: Tust du Gutes, dann bekommst du eine gute Reinkarnation, tust du schlechtes, dann musst du im nächsten Leben leiden.
Von daher sind da schon noch Ähnlichkeiten und auch das hat mir ehrlich gesagt Angst gemacht. Und das ist mein Punkt. Wenn solche Weltanschauungen vermittelt werden, wie kann dann der Gott, der dahinter steht als liebevoll erkannt werden? Und wenn ich als Lebewesen durch Angst und Strafe zu gebracht werden muss, mich ordentlich zu verhalten, wie kann ich dann jemals erkennen, dass ich gut und die Liebe selbst bin`?
Und dann kommen die ganzen Verhaltensanweisungen und Regeln, Ge- und Verbote usw. und ich zumindest fühle mich von all dem ziemlich unter Druck gesetzt. Vor allem, weil die Aussichten ja ziemlich übel sind, wenn man es nicht schafft.
Und damit meine ich jetzt nicht die großen verbrechen wie Du sollst nicht stehlen oder töten. Sondern auch solche Sachen wie Du sollst nicht wütend sein, immer ausgeglichen bleiben und alle mit gleichen Augen sehen, nicht an den Ergebnissen deiner Handlung haften usw. Alle diese Anweisungen machen total viel Sinn und ich finde es sehr hilfreich danach zu leben. Nur gelingt es eben nicht immer. Und die Frage ist auch: Wenn man sich nicht an die Regeln hält – was ist der Grund dafür?
Neue Perspektive:
Deshalb möchte ich heute mit dir eine etwas andere Perspektive auf dieses Thema teilen, die auf Liebe und Freiwilligkeit beruht und in meinen Augen einfach viel mehr Sinn macht, wenn man davon ausgeht, dass das Göttliche pure reine Liebe ist und wir alle Teilchen von diesem Göttlichen sind – also in unserer Essenz reine Liebe. Und dass es einen freien Willen gibt, von dem ja auch in der Bhagavat Gita die Rede ist
(BG 18.63 Somit habe ich dir Wissen erklärt, dass noch vertraulicher ist. Denke gründlich darüber nach und tue dann, was dir beliebt).
Stell Dir bitte mal vor, du hast gerade deinen irdischen Körper verlassen und stehst nun am Himmelstor – als Seele. Alle weltlichen oder materiellen Begrenzungen sind weg, was bedeutet, dass du viel mehr wahrnehmen kannst als vorher. Du siehst die Vergangenheit und die Zukunft, denn du bist nicht mehr auf die lineare Zeitsicht beschränkt.
Und du kannst die Gedanken und Gefühle anderer Lebewesen wahrnehmen, denn auf Ebene der Seele sind wir verbunden. Das können wir zu einem gewissen Maß auch, wenn wir im Körper sind, besonders, wenn wir die andere Person oder das andere Wesen sehr gut kennen, sind aber eben nur sehr beschränkt.
Jetzt, wo du den Körper abgelegt hast, kannst du dein vergangenes Leben, deine Handlungen und die Reaktionen darauf – also die Gefühle der anderen ganzheitlich wahrnehmen und erkennen, wo du Liebe verbreitet und wo du Schmerz verursacht hast.
Jetzt bist du als Seele pure reine Liebe und siehst voller Mitgefühl die Situationen, in denen du jemandem Schmerz zugefügt hast und wirst nun gefragt: Möchtest du in der spirituellen Welt bleiben – also nicht mehr Inkarnieren oder möchtest du nochmal zurück?
Was wird Deine Antwort sein?
Natürlich wirst du dich entscheiden zurückzugehen und Liebe zu geben. Nicht weil du es musst. Nicht weil es eine Strafe ist. Sondern weil es Dein tiefer Herzenswunsch ist, den anderen Seelen uneingeschränkt Deine Liebe zu geben und ihre Wunden zu heilen, ihr Leid zu lindern!
Denn der einzige Grund, warum du jemandem überhaupt Schmerz zufügen konntest (also die Göttlichen Gesetze gebrochen hast) ist ja nicht, weil du von Grund auf schlecht bist, sondern weil deine Kapazität Liebe zu geben eingeschränkt war. Durch Angst, Konditionierung, Trauma, was auch immer.
Und somit will die Seele selber heilen, um dann uneingeschränkt Liebe zu geben und ihre wahre Essenz – reine Göttliche Liebe – zu verkörpern und dann eben auch auszustrahlen.
Und so ist diese Welt weder eine Schule noch ein Gefängnis. Sie ist ein Geschenk Gottes an die Seelen, sich selbst als Liebe zu verkörpern und im liebevollen Austausch miteinander diese Liebe zu erfahren – im Geben und Empfangen.
Und Reinkarnation ist weder Strafe noch Belohnung, sondern eine freie Entscheidung, die aus Liebe getroffen wird. Aus dem Wunsch der Seele heraus ihre Liebe noch weiter zu entfalten und auszudehnen, Leid anderer Seelen zu lindern und Liebe zu schenken.
Was bedeutet das für mich hier und jetzt in diesem Leben? Muss ich Angst haben? Muss ich mich anstrengen? Muss ich irgendwas schaffen oder erreichen, um einem strafenden Gott zu gefallen? Nein.
Ich darf mich einfach daran erinnern, warum ich hier bin: Ich habe mich aus tiefstem Herzen (hier sitzen Gott und die Seele) dazu entschieden auf diesem Planet Erde zu inkarnieren und Liebe zu sein. Liebe zu verkörpern und zu geben. Und das ist alles, worauf es ankommt.
Bg. 15.15
Ich weile im Herzen eines jeden, und von Mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Das Ziel aller Veden ist es, Mich zu erkennen. Wahrlich, Ich bin der Verfasser des Vedānta, und Ich bin der Kenner der Veden.
Spirituelle Praxis
Und ja, spirituelle Praxis hilft dabei ungemein. Aber es geht nicht darum. Es geht nicht darum wie viele Gita Verse du aufsagen kannst oder wie viele Runden du chantest. Und auch nicht darum welche Asanas oder Pranayamas du übst usw. Das sind alles ganz individuelle persönliche Dinge, die niemanden etwas angehen müssen und die man vor allem auch weder vergleicht oder beurteilt. Einer steht um 4 Uhr auf, ein anderer erst um 8 – so what? Es geht darum, wie sehr es Deine Fähigkeit zu lieben steigert.
Ob deine spirituelle Praxis zu dir passt und für dich wirksam ist, erkennst du daran, dass sie dich verändert. Dass sie die Schichten von Angst, Trauma und falschen Glaubenssätzen abpellt und deine Liebe immer mehr durchscheinen lässt. Du erkennst es daran, ob sie dir Momente der Ruhe, Zufriedenheit und Erkenntnis schenkt, die dich vom Glauben zu tiefem Wissen führen und deine Fähigkeit zu lieben und Liebe zu sein steigern.
Aufschwung der Erde aus dem Kaliyuga
Und ich möchte noch einen Punkt kurz erwähnen: Seit dem Abstieg der Erde ins Kali Yuga hat sich die Schwingung stark erniedrigt und ist auf die Frequenz von Angst gegangen. Das ist der Grund warum wir überall noch Angst und Trauma sehen können.
Alle Systeme basieren auf Angst, Menschen haben Angst voreinander und sogar Religionen agieren mit Angst. Aber diese Zeit ist jetzt vorbei. Seit 2012 steigen wir wieder auf – das merken wir alle. Deshalb kommt jetzt alles ans Tageslicht, was uns davon abhält vollkommen in der Liebe zu sein. Und wir sind eingeladen, alles, was mit Angst zu tun hat zu verabschieden und zu heilen.
Und das große Geschenk dabei ist – und das ist vielleicht auch der Grund, warum jetzt gerade so viele Seelen inkarnieren, dass es jetzt – im Moment des Aufstiegs oder der Schwingungserhöhung – ganz leicht geht, aber trotzdem nicht automatisch. Wir sind uns also bewusst darüber und dürfen unseren freien Willen einsetzen und wählen, ob wir in Liebe oder in Angst handeln. Und das ist das allergrößte für die Seele, wenn sie bewusst Liebe geben kann.
Und Gott jubelt auch – denn wenn wir einfach in der Liebe wären, weil wir so programmiert sind, dann wären wir nicht mehr als Roboter, die ihr Programm abspulen. Aber in dem Moment, in dem wir wählen können, liegt eine Freiwilligkeit vor. Und Liebe ist immer freiwillig.
Liebe heißt auch Nein sagen
Zum Schluss noch ein letzter Punkt:
Heißt Liebe sein und Liebe geben, dass wir immer Ja und Amen zu allem sagen müssen? Ganz sicher nicht. Wir dürfen Nein sagen, denn das ist auch Liebe. Und wenn wir das ohne Angst vor Ablehnung und ohne Verurteilung des anderen tun, dann kann die andere Person das wahrscheinlich auch gut annehmen.
Natürlich sollten wir jemanden zurückhalten, wenn er uns oder anderen schadet (wenn es im Rahmen unserer Möglichkeiten ist, ansonsten müssen wir schauen, wie wir die Betroffenen schützen können). Aber wir tun es eben nicht aus Wut heraus, weil wir dem anderen unterstellen, dass er oder sie schlecht oder bösartig ist (auch wenn er etwas Schlechtes tut), sondern wir wissen, dass dieser Mensch es gerade nicht besser kann, weil er oder sie einen Mangel an Liebe fühlt. Und wir sagen oder tun etwas mit dem Ziel uns selbst oder die anderen Betroffenen zu schützen. Punkt. Mehr nicht. Es braucht keine Verurteilung.
Wenn wir es möchten, können dem Menschen gedanklich Liebe schicken, denn der Mangel an Liebe hat ja zu dem schädlichen Verhalten geführt.
Abschluss
Also ich hoffe, es ist klar geworden, dass es keinen wütenden, strafenden Gott gibt, der uns nach dem Tod richtet und in die Hölle schickt, wenn wir ihm nicht genug waren. Denn hey, er hat uns selbst erschaffen und er hat uns perfekt gemacht. Oder sollte Gott zugeben, dass er mit uns einen Fehler gemacht hat?
Das hat er sicherlich nicht. Aber er hat uns eben aus seiner unendlichen Liebe heraus auch den freien Willen gegeben, den wir als Menschheit im Kali Yuga ausgiebig genutzt haben, um Angst und Ausbeutung zu schaffen. Aber vielleicht musste das auch so sein, damit wir die Dunkelheit erfahren – das, was wir nicht sind, um uns jetzt ganz bewusst für das zu entscheiden, was wir sind, nämlich reine Liebe.
Und wir müssen nicht auf den Tod warten, um in den Himmel zu kommen. Wir können ihn heute hier manifestieren, indem wir liebevoll mit uns selbst und anderen umgehen. Und wenn die Seele irgendwann damit zufrieden ist, wie viel Liebe sie in ihrem menschlichen Leben verkörpert hat, dann geht sie vielleicht in die spirituelle Welt und kommt nicht zurück. Vielleicht hilft und unterstützt sie die Lebewesen dann von dort. Oder sie entscheidet sich dennoch wieder auf die Erde zu kommen, weil sie so viel Mitgefühl mit ihren Brüdern und Schwestern hat – wer weiß das schon?