Yoga Philosophie
Deine göttliche Bestimmung finden –
Dienen neu beleuchtet
Dieses Thema ist mir besonders wichtig, weil es jeden von uns betrifft und mein Leben schon von Grund auf transformiert hat. Ich bin durch das Buch „How to find your live’s divine purpose – Brain Software for a new civilisation“ von Gregor Maehle dazu gekommen. Wenn dich das Thema mehr interessiert, kann ich Dir dieses Buch wärmstens empfehlen. Es gibt es bisher nur auf Englisch.
Hast du dich auch schon mal gefragt, was Menschen in spirituellen Vorträgen oder Yogaausbildungen eigentlich genau damit meinen, wenn sie davon sprechen, dass man dem Göttlichen dienen soll?
Mache dich zum Instrument Gottes, lass das Göttliche durch dich wirken, diene dem Göttlichen usw.
Bei mir kamen die folgenden Interpretationen vom Dienen – oder auch hingebungsvoller Dienst genannt – an.
Schau doch mal, ob du etwas davon kennst:
Dienen ist spirituelle Praxis – Asanas, Pranayama, Meditation, Japa, Kirtan, Schriften studieren, ect.
Dienen ist, sich an gewisse Regeln zu halten, wie z.B. kein Fleisch essen, keinen Alkohol trinken usw.
Dienen ist dem Guru zu dienen.
Dienen ist Spenden zu geben.
Dienen ist etwas für andere zu tun.
Aber da liegt meiner Meinung nach ein ganz großes Missverständnis vor:
Alle diese Dinge können mir helfen und mich dabei unterstützen herauszufinden, was mein Dienst ist, bzw. können Sie mich auf allen Ebenen fit machen, um meinen Dienst bestmöglich auszuführen. Sind aber nicht der Dienst selbst.
In der Bhagavat Gita sagt Krishna zu Arjuna diesen berühmten Vers:
Bg. 3.35
śreyān sva-dharmo viguṇaḥ
para-dharmāt sv-anuṣṭhitāt
sva-dharme nidhanaṁ śreyaḥ
para-dharmo bhayāvahaḥ
Es ist weit besser, die eigenen vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen, selbst wenn dies fehlerhaft geschieht, als die Pflichten eines anderen vollkommen zu erfüllen. Es ist besser, bei der Erfüllung der eigenen Pflicht unterzugehen, als den Pflichten eines anderen nachzukommen, denn dem Pfad eines anderen zu folgen ist gefährlich.
Was heißt das?
Hingebungsvoller Dienst oder dem Göttlichen zu dienen ist etwas ganz Individuelles und persönliches. Dafür kann dir niemand eine Anweisung geben. Auch der Guru nicht. Was Dein ganz persönlicher Dienst ist, das kannst du nur von der Göttlichen Quelle direkt erfahren – wenn du dich dafür öffnest. Und genau das ist der Knackpunkt:
Warum wissen die meisten Menschen nicht, was ihre Göttliche Bestimmung ist?
Weil sie nicht empfänglich dafür sind. Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt das zu verwirklichen, was ihnen von der Gesellschaft als erstrebenswert einkonditioniert wurde, als dass sie sich für ihren Göttlichen Plan öffnen könnten – das ist das, was die Seele will, deshalb auch Seelenplan genannt.
Wie viele Menschen laufen Zielen hinterher, die gar nicht ihre eigenen Ziele sind? Nur weil sie denken, das müsste so sein oder weil das vernünftig ist, sterben aber innerlich vor Langeweile und Traurigkeit, weil sie einfach nicht tun, wonach ihre Seele verlangt?
Da sind dann Gedanken wie: ich kann das nicht, ich bin sowieso nicht gut genug, andere werden mich auslachen, was, wenn ich versage? Damit verdiene ich nicht genügen Geld usw.
Außerdem sind wir voll mit Konditionierungen und Glaubenssätzen, die uns davon abhalten uns dem Göttlichen hinzugeben. Der Glaube, dass man auf eine Weise nicht gut genug ist, Gott nicht wahrnehmen kann oder nur durch einen Mittelsmann in Kontakt treten könnte usw. hält uns genau davon ab.
Unsere Lehrer, Gurus und spirituellen Praktiken helfen uns dabei, diese unheilsamen Glaubenssätze und Programmierungen aufzulösen, damit wir empfänglich werden. Denn die Information ist die ganze Zeit da. Das Göttliche hält nichts zurück. Gott kommuniziert mit ALLEN! Und zwar die ganze Zeit und pausenlos! Gott wohnt im Herzen eines jeden Lebewesens (Bhagavat Gita, 15.15) – also auch in DIR! Aber er offenbart sich nur so weit, wie wir uns hingeben und wie wir es für möglich halten (Bhagavat Gita, 4.11).
Bg. 15.15
sarvasya cāhaṁ hṛdi sanniviṣṭo
mattaḥ smṛtir jñānam apohanaṁ ca
vedaiś ca sarvair aham eva vedyo
vedānta-kṛd veda-vid eva cāham
Ich weile im Herzen eines jeden, und von Mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Das Ziel aller Veden ist es, Mich zu erkennen. Wahrlich, Ich bin der Verfasser des Vedānta, und Ich bin der Kenner der Veden.
Bg. 4.11
ye yathā māṁ prapadyante
tāṁs tathaiva bhajāmy aham
mama vartmānuvartante
manuṣyāḥ pārtha sarvaśaḥ
Alle belohne Ich in dem Maße, wie sie sich Mir ergeben. Jeder folgt Meinem Pfad in jeder Hinsicht, o Sohn Pṛthās.
Was ist jetzt Dein ganz individueller persönlicher Dienst?
Gott hat jeden Menschen für eine spezielle Aufgabe geschaffen. Man könnte sagen, Gott möchte sich selbst auf eine ganz bestimmte Weise durch DICH erfahren. Dafür hat er Dich mit individuellen Fähigkeiten und Talenten ausgestattet, die nur du in dieser Kombination hast. Du bist einzigartig!
Was machst du gerne? Was macht dich aus? Welche Tätigkeit bereitet nicht nur dir selbst Freude, wenn du sie ausführst, sondern auch anderen?
Wenn Du etwas gefunden hast, dann kannst Du es überprüfen:
Deine Göttliche Bestimmung hat nichts mit Haben, Darstellen oder Erreichen zu tun. Es geht darum, was Du der Welt geben kannst und was du verkörperst. Es geht um Geben und Sein.
Und nochmal: Alle Lehrer und spirituellen Praktiken sind wundervolle Helfer, um dich freizumachen deine Göttliche Bestimmung zu empfangen und auszuführen. Um dich von allen Glaubensätzen und Ängsten zu befreien, die dich davon abhalten. Aber dann liegt es an dir still zu werden und die Göttliche Quelle zu fragen:
Wie kann ich dir dienen?
Wie möchtest Du Dich durch mich ausdrücken und erfahren?
Und dann werde still und empfänglich. Frage jeden Morgen. Ein paar Minuten reichen und irgendwann wirst du es verstehen.
Warum hat Gott ein Interesse daran, sich durch mich zu verkörpern oder daran, dass ich meinen Sinn erfülle?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir verstehen, was der Unterschied zwischen Gott als Quelle, als Brahman (formlos, alles durchdringend) bzw. Bhagavan (Gott als Persönlichkeit) und uns Lebewesen (Seele, Atman) ist.
Da wir alle einen Funken des Göttlichen in uns tragen bzw. in unserer Essenz Göttlich sind, habe ich schon öfters Menschen sagen hören: ich bin Gott. Das ist im Zustand vom objektlosen Samadhi richtig, denn in diesem Moment löst sich das Ego, das uns an Raum und Zeit bindet, auf. Aber sobald das Ego wieder einsetzt – und das muss es, da der Mensch sonst nicht lebensfähig wäre – stimmt es nicht mehr.
Da Gott kein Ego hat ist er unbegrenzt. Er nimmt alles gleichzeitig wahr: Vergangenheit, Jetzt, Zukunft, alle Orte, alle Wesen, einfach alles. In etwa so, wie wir uns unserem gesamten Körper gleichzeitig bewusst sind.
Aber um jetzt hineinzuzoomen und eine bestimmte Raum-Zeit-Erfahrung zu machen, dazu braucht es uns. Und deshalb haben wir ein Ego, da es genau das macht: Es bindet uns – einen Funken des Bewusstseins – an Raum und Zeit und diesen Körper und wir können eine individuelle und getrennte Erfahrung machen. Von daher ist das Ego eigentlich etwas Gutes. Erst wenn wir uns mit Körper und Geist identifizieren und glauben, wir wären das, dann nennt man es das falsche Ego.
In meinem Beispiel vom Körper wäre das dann die einzelne Zelle, die sich selbst und ihre direkte Umgebung erfährt. Wir als Mensch nehmen zwar den Körper als Gesamtheit wahr und spüren, wenn er Bauchschmerzen hat oder Hunger, aber wir können nicht feststellen, was jetzt mit der einzelnen Zelle los ist. Zwar spüren wir es, wenn wir uns z.B. in den Finger schneiden, aber eben nicht die einzelne Zelle in ihrer Individualität.
Dieses Beispiel hinkt natürlich etwas, denn Gott ist in unserem Herzen gegenwärtig und hört unsere Gebete und ist immer an unserer Seite und weiß genau, wie es uns geht. Gott kann beides – ist ja auch Gott. Aber es braucht uns als Einzel-Lebewesen, um diesen Erfahrungsbereich in Raum und Zeit überhaupt erst mal zu öffnen und uns mit einem freien Willen auszustatten. Gott ist eben ein Paradox, er ist nicht entweder oder, sondern sowohl also auch. Und wir sind als seine Kinder gleichzeitig eins und verschieden mit und vom ihm.
Wie setze ich meine Göttliche Bestimmung um?
Darüber brauchst du dir keine Sorgen oder Gedanken zu machen. Wenn du Deine Bestimmung, deinen Dienst empfangen hast, dann kannst Du weiter fragen:
Welche Veränderungen sind dafür nötig (an meinen Gedanken, meinem Verhalten)
Wer bin ich, wenn ich diesen Dienst ausführe?
Und die Antworten auf diese Fragen haben immer etwas mit persönlichem Wachstum zu tun. Und nur darum kümmerst du dich. Denn nur das hast du in der Hand. Alles andere wird kommen. Geldmittel, Orte, Helfer, Voraussetzungen, Situationen – das wird alles für dich arrangiert, wenn es an der Zeit ist. Du kümmerst dich nur um dich und wie und wer du bist.
Dem Göttlichen zu dienen hat also nichts damit zu tun, dein Leben aufzugeben oder in einen Ashram oder Tempel zu ziehen. Das kann für einzelne Personen zutreffen, aber für die meisten ist es etwas anderes. Es geht nicht darum dich selbst zu verleugnen und deine Talente, Fähigkeiten und Deine Freude irgendwo verstauben zu lassen – Nein, du sollst sie leben! Und das ohne Kompromisse oder Einschränkungen! Denn dafür bist Du als Seele hierhergekommen!
Und Dein Göttlicher Dienst kann Dir in gewisser Weise auch etwas Angst machen. Denn er wird Dich herausfordern über dich selbst hinaus zu wachsen. Denn du bist viel größer als du denkst! Du kannst so viel mehr, als du dir momentan zutraust. Und natürlich weiß das das Göttliche, denn es hat dich ja gemacht 😉