Asana Alignment
Aus Sicht des Ashtanga Yoga nach Patanjali ist Asana die dritte Stufe von acht und gehört zu den vorbereitenden Stufen des Yoga (Vorbereitung auf feinere Stufen wie Pranayama und Mediation).
Im 2. Kapitel des Yoga Sutra sagt Patanjali über Asana:
sthira-sukham-āsanam ||46||
Die Haltung ist fest/stabil und gleichzeitig leicht/bequem.
Das erreichen wir durch Alignment und Einsatz von Hilfsmitteln.
prayatna-śaithilya-ananta-samāpatti-bhyām ||47||
Das Asana ist gemeistert, wenn die Bemühung endet und Meditation auf das Unendliche einsetzt.
Das ist das Ergebnis von gutem Alignment. Es schafft Raum für Bewusstheit.
tato dvaṅdva-an-abhighātaḥ ||48||
Im Asana gibt es keinen Angriff der Gegensatzpaare.
2 Bewegungsrichtungen führen zu Harmonie und Balance in einer Haltung.
Alignment ist Ausrichtung der Knochen
ca. 206 Knochen im menschlichen Körper
27 Knochen in einer Hand
26 Knochen in einem Fuß
106 Knochen – mehr als die Hälfte in Händen und Füßen
Wenn man Hände und Füße richtig ausrichtet, hat man schon die halbe Miete, der Rest folgt von selbst.
Weitere Aspekte (Beispiel gerader Sitz in Meditationshaltung):
Körperlich: Effiziente Bewegung, weniger Verletzungsrisiko, funktionelles, therapeutisches Bewegungskonzept, Schutz vor Überbelastung
Prana-/ Energieebene: vollständiger, freier Atem- und Energiefluss
Geistige Ebene: Aufmerksamkeit, sattva (Aspekt der Meditation bei Patanjali)
Das gilt für ALLE Asanas!
Durch den Einsatz von Hilfsmitteln wird Yoga zu einer erreichbaren und bodenständigen Sache,
für ALLE!
Wir nutzen Hilfsmittel, um für alle ein gutes Alignment möglich zu machen. Damit stellen wir sicher, dass jeder tief atmen kann, Energie zum Fließen kommt und jeder aufmerksam und fokussiert bleiben kann.
Was ist die Rolle der/des Yogalehrers/ -lehrerin?
Es geht darum die Schüler bestmöglich dabei zu unterstützen in ein für Sie passendes Alignment zu kommen. Dafür musst du sie sehen (das schließt eigene Praxis auf der Yogamatte aus), damit du sie dann verbal, mit Hilfsmitteln oder durch Ajustments unterstützen kannst.
Anschließend den Fokus auf dem Atem lenken und auf den Ausgleich/ die Balance, die durch entgegengesetzte Bewegungsrichtungen entsteht. Dadurch entstehen innerer Frieden/ Ruhe/ Stille.
Wichtigste allgemeine Alignment-Regeln:
Leichtigkeit durch Spannung (LTE)
Durch Spannung kommen Leichtigkeit und Stabilität in eine Haltung. Diese wird durch Strecken der Finger und Zehen (wie eine Tänzerin) und Spannung zur Mittellinie hin aufgebaut.
Scapulo-humeraler Rythmus – So bewegst Du Deine Schultern.
Wenn die Arme nach oben gehen, gehen die Schultern mit.
Gelenke befreien durch Beugung
Du kannst ein Gelenk besser bewegen, wenn das nächste Gelenk gebeugt ist.
Auf- und Ausrichtung durch Erdung
Wenn Du das Fundament erdest, richtet sich der gesamte Körper auf (2 Bewegungsrichtungen) und nimmt das Asana ein – ganz organisch und von selbst (Festigkeit und Leichtigkeit), ohne dass Du (Ego) etwas tust. Du kannst es beobachten.
Bewegung hat immer einen Punkt, an dem sie entsteht. Von hier aus baut sich das Asana wie von selbst auf. Wir kommen vom Machen zum Beobachten, lassen es geschehen, mühelos und graziös.
Die Bewegung entsteht aus dem Fundament. Unsere Aufmerksamkeit hat einen Startpunkt und folgt der Bewegung. Bewusstsein breitet sich im gesamten Körper aus und Meditation entsteht.
Ich hoffe, Du kannst nun verstehen, dass es nicht darum geht, tausende von Ansagen für alle Asanas auswendig zu lernen, sondern darum, die wichtigen Bewegungs- und Alignmentprinzipien zu verstehen und umzusetzen. Dazu ist es am besten, wenn Du das selbst regelmäßig übst. Dann bist Du damit vertraut. Probiere es auch anders, damit Du die Vorteile wirklich spürst. Du musst auch nicht alle Asanas können, um sie zu unterrichten. Um zu wissen, wie es sich anfühlt, reicht es, wenn Du sie übst.
Ich wünsche Dir ganz viel Spaß dabei!
Meditationshaltungen & Shavasana
Eine Haltung ist für Pranayama und Meditation geeignet, wenn die folgenden Anforderungen erfüllt sind:
– Hände und Füße weisen nach oben.
– Beine sind tiefer als das Becken, sodass der Pranafluss nach oben gerichtet ist.
– Das Becken ist nach vorne gekippt, sodass sich die Wirbelsäule aufrichtet, wie eine Kobra, die zum Schlag ausholt.
– idealerweise wird Mula Bandha stimuliert. Entweder weil der Beckenboden durch die Vorwärtskippung des Beckens zum Boden kommt oder durch eine Ferse.
– ganz ideal ist es, wenn die Fersen in den Bauch drücken und auf diese Weise Uddiyana Bandha stimulieren. Dies ist aber nur im Lotussitz der Fall.
– Die Haltung muss eine stabile Basis bilden, die ganz natürlich und ohne Anstrengung für den Zeitraum der Praxis aufrecht (ohne Schmerzen und ohne Zusammensacken) gehalten werden kann.
Am besten ist Padmasana geeignet. Das Sitzen auf einem Stuhl oder das Lehnen an einer Wand sind nach diesen Anforderungen nicht geeignet.
4 Klassische Haltungen:
1. Padmasana – Lotussitz (rechtes Bein zuerst, linkes Bein oben)
2. Siddhasana – Haltung des Eingeweihten (linkes Bein zuerst, Ferse stimuliert Mula Bandha, Fußgelenke aufeinander, Zehe zwischen Ober- und Unterschenkel einklemmen)
Einfachere Variante: Fersen voreinander, beide Füße am Boden
3. Svastikasana – Symbol des Göttlichen (keine Anweisung, welches Bein zuerst, nacheinander Fersen in gegenüberliegender leiste platzieren
4. Virasana – Sitz des Helden (zwischen den Fersen sitzen, gerne mit Erhöhung)
Shavasana
Rückenlage
Beine so weit auseinander, dass sich die Oberschenkel nicht berühren
Arme so weit vom Körper weg, dass die Achseln frei sind und die Hände nach oben drehen (Nur dann sind die Schultern und Lungen frei und es kann vollständig geatmet werden!)
Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule, Gesicht locker (Zunge, Kiefer, Augenlider)
Mehr Bequemlichkeit durch Innenrotation in den Hüften und Außenrotation in den Schultern.