Yoga Blog

Hier findest Du Texte und schriftliche Zusammenfassungen aus meinem Youtube Kanal

Asana Alignment

Aus Sicht des Ashtanga Yoga nach Patanjali ist Asana die dritte Stufe von acht und gehört zu den vorbereitenden Stufen des Yoga (Vorbereitung auf feinere Stufen wie Pranayama und Mediation).
 
Im 2. Kapitel des Yoga Sutra sagt Patanjali über Asana:
 
sthira-sukham-āsanam ||46||
Die Haltung ist fest/stabil und gleichzeitig leicht/bequem.
Das erreichen wir durch Alignment und Einsatz von Hilfsmitteln.
 
prayatna-śaithilya-ananta-samāpatti-bhyām ||47||
Das Asana ist gemeistert, wenn die Bemühung endet und Meditation auf das Unendliche einsetzt.
Das ist das Ergebnis von gutem Alignment. Es schafft Raum für Bewusstheit.
 
tato dvaṅdva-an-abhighātaḥ ||48||
Im Asana gibt es keinen Angriff der Gegensatzpaare.
2 Bewegungsrichtungen führen zu Harmonie und Balance in einer Haltung.
 
Alignment ist Ausrichtung der Knochen
ca. 206 Knochen im menschlichen Körper
27 Knochen in einer Hand
26 Knochen in einem Fuß
106 Knochen – mehr als die Hälfte in Händen und Füßen
 
Wenn man Hände und Füße richtig ausrichtet, hat man schon die halbe Miete, der Rest folgt von selbst.
 
Weitere Aspekte (Beispiel gerader Sitz in Meditationshaltung):
Körperlich: Effiziente Bewegung, weniger Verletzungsrisiko, funktionelles, therapeutisches Bewegungskonzept, Schutz vor Überbelastung
Prana-/ Energieebene: vollständiger, freier Atem- und Energiefluss
Geistige Ebene: Aufmerksamkeit, sattva (Aspekt der Meditation bei Patanjali)
 
Das gilt für ALLE Asanas!
 
 
Durch den Einsatz von Hilfsmitteln wird Yoga zu einer erreichbaren und bodenständigen Sache, für ALLE!
 
Wir nutzen Hilfsmittel, um für alle ein gutes Alignment möglich zu machen. Damit stellen wir sicher, dass jeder tief atmen kann, Energie zum Fließen kommt und jeder aufmerksam und fokussiert bleiben kann.
 
Was ist die Rolle der/des Yogalehrers/ -lehrerin?
Es geht darum die Schüler bestmöglich dabei zu unterstützen in ein für Sie passendes Alignment zu kommen. Dafür musst du sie sehen (das schließt eigene Praxis auf der Yogamatte aus), damit du sie dann verbal, mit Hilfsmitteln oder durch Ajustments unterstützen kannst.
Anschließend den Fokus auf dem Atem lenken und auf den Ausgleich/ die Balance, die durch entgegengesetzte Bewegungsrichtungen entsteht. Dadurch entstehen innerer Frieden/ Ruhe/ Stille.
 
Wichtigste allgemeine Alignment-Regeln:
 
Leichtigkeit durch Spannung (LTE)
Durch Spannung kommen Leichtigkeit und Stabilität in eine Haltung. Diese wird durch Strecken der Finger und Zehen (wie eine Tänzerin) und Spannung zur Mittellinie hin aufgebaut.
 
Scapulo-humeraler Rythmus – So bewegst Du Deine Schultern.
Wenn die Arme nach oben gehen, gehen die Schultern mit.
 
Gelenke befreien durch Beugung
Du kannst ein Gelenk besser bewegen, wenn das nächste Gelenk gebeugt ist.
 
Auf- und Ausrichtung durch Erdung
Wenn Du das Fundament erdest, richtet sich der gesamte Körper auf (2 Bewegungsrichtungen) und nimmt das Asana ein – ganz organisch und von selbst (Festigkeit und Leichtigkeit), ohne dass Du (Ego) etwas tust. Du kannst es beobachten.
 
Bewegung hat immer einen Punkt, an dem sie entsteht. Von hier aus baut sich das Asana wie von selbst auf. Wir kommen vom Machen zum Beobachten, lassen es geschehen, mühelos und graziös.
 
Die Bewegung entsteht aus dem Fundament. Unsere Aufmerksamkeit hat einen Startpunkt und folgt der Bewegung. Bewusstsein breitet sich im gesamten Körper aus und Meditation entsteht.
 
Ich hoffe, Du kannst nun verstehen, dass es nicht darum geht, tausende von Ansagen für alle Asanas auswendig zu lernen, sondern darum, die wichtigen Bewegungs- und Alignmentprinzipien zu verstehen und umzusetzen. Dazu ist es am besten, wenn Du das selbst regelmäßig übst. Dann bist Du damit vertraut. Probiere es auch anders, damit Du die Vorteile wirklich spürst. Du musst auch nicht alle Asanas können, um sie zu unterrichten. Um zu wissen, wie es sich anfühlt, reicht es, wenn Du sie übst.
 
Ich wünsche Dir ganz viel Spaß dabei!

Meditationssitz & Shavasana

Eine Haltung ist für Pranayama und Meditation geeignet, wenn die folgenden Anforderungen erfüllt sind:
 
– Hände und Füße weisen nach oben.
– Beine sind tiefer als das Becken, sodass der Pranafluss nach oben gerichtet ist.
– Das Becken ist nach vorne gekippt, sodass sich die Wirbelsäule aufrichtet, wie eine Kobra, die zum Schlag ausholt.
– idealerweise wird Mula Bandha stimuliert. Entweder weil der Beckenboden durch die Vorwärtskippung des Beckens zum Boden kommt oder durch eine Ferse.
– ganz ideal ist es, wenn die Fersen in den Bauch drücken und auf diese Weise Uddiyana Bandha stimulieren. Dies ist aber nur im Lotussitz der Fall.
– Die Haltung muss eine stabile Basis bilden, die ganz natürlich und ohne Anstrengung für den Zeitraum der Praxis aufrecht (ohne Schmerzen und ohne Zusammensacken) gehalten werden kann.
 
Am besten ist Padmasana geeignet. Das Sitzen auf einem Stuhl oder das Lehnen an einer Wand sind nach diesen Anforderungen nicht geeignet.
 
 
4 Klassische Haltungen:
1. Padmasana – Lotussitz (rechtes Bein zuerst, linkes Bein oben)
2. Siddhasana – Haltung des Eingeweihten (linkes Bein zuerst, Ferse stimuliert Mula Bandha, Fußgelenke aufeinander, Zehe zwischen Ober- und Unterschenkel einklemmen)
Einfachere Variante: Fersen voreinander, beide Füße am Boden
3. Svastikasana – Symbol des Göttlichen (keine Anweisung, welches Bein zuerst, nacheinander Fersen in gegenüberliegender leiste platzieren
4. Virasana – Sitz des Helden (zwischen den Fersen sitzen, gerne mit Erhöhung)
 
 
Shavasana
Rückenlage
Beine so weit auseinander, dass sich die Oberschenkel nicht berühren
Arme so weit vom Körper weg, dass die Achseln frei sind und die Hände nach oben drehen (Nur dann sind die Schultern und Lungen frei und es kann vollständig geatmet werden!)
Kopf in Verlängerung der Wirbelsäule, Gesicht locker (Zunge, Kiefer, Augenlider)
Mehr Bequemlichkeit durch Innenrotation in den Hüften und Außenrotation in den Schultern
 

Was ist Vinyasa?

Vinyasa ist ein dynamischer Yogastil, bei dem Asanas (Körperhaltungen) fließend ineinander übergehen und im Einklang mit der Atmung ausgeführt werden. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „auf eine bestimmte Art platziert“ oder angeordnet.
 
Damit haben wir zwei sehr wichtige Aspekte:
 Die Intension oder Zielsetzung
 Die Verbindung von einer dynamischen Bewegungsabfolge mit dem Atem
 
Es ist also eine intelligente, zielgerichtete Abfolge von Ereignissen, die durch den Atem miteinander verbunden sind und durch die Synchronisierung mit dem Atem eine große Kraft bekommen und uns in eine Meditation in Bewegung führen.
 
Vinyasa verfolgt also eine ganz klare Intension und jede Bewegung, jeder Atemzug sind darauf ausgerichtet. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Vinyasa Klasse und erreicht am Ende das Ziel.
 
Vinyasa hat seine Wurzeln im traditionellen Ashtanga Yoga nach T.Krishnamacharya, wobei es im Vinyasa Yoga im Unterschied zum Ashtanga keine festgelegten Abfolgen gibt, sondern die Lehrer individuelle und kreative Sequenzen gestalten können.
 
Hauptunterschied zum Hatha Yoga: Übergänge statt Zwischenentspannung/ Nachspüren.
 
 
Ursprung des Vinyasa Yoga
 
Es hat seinen Ursprung im Ashtanga Yoga:
Nath Tradition (Nath Sampradaya), Shiva, Matsyendranath, Goraknath, Svatmarama (hat Hatha Yoga Pradipika geschrieben) uvm.
 
Eine hinduistische Einweihungstradition des Shivaismus, die die spirituelle Vervollkommnung unter anderem durch physische Praktiken erreicht.
 
Das Hatha Yoga beinhaltet Übungen, die
 Den physischen und energetischen Körper reinigen uns stärken
Energie in Sushumna Nadi lenken
 
Zu diesen Übungen gehören:
Statische Asanas
Pranayama
Kriya (Reinigungstechniken wie Kapalabhati, Nauli oder Neti)
Mudras (energetische Siegel)
Bandhas (energetische Verschlüsse)
Meditation (Dharana, Dhyana)
 
Dieser Yoga wurde lange im Verborgenen praktiziert und erst im 20. Jahrhundert durch Tirumalai Krishnamacharya wiederbelebt.
 
T. Krishnamacharya war Gelehrter in Yoga, Sanskrit und Ayurveda und wird als Vater des modernen Yoga des 20. Jahrhunderts gesehen. Er lebte in Mysore und wurde, nachdem er den Maharaja geheilt hatte, am Hof engagiert.
 
Er ergänzte den Yoga mit gymnastischen Übungen, um es für die Soldaten interessanter zu machen. So entstanden dynamische Übungsfolgen, in die Asana, Pranayama, Bandha, Drishti (Blickfokus), Pratyahara (Zurückziehen der Sinne), Dharana (Konzentration) und Dhyana (Meditation) integriert wurden (praktikabel für Grihastas; Haushälter).
 
Die neue Herausforderung war, dass immer mehr Schüler aus dem Westen kamen und nicht mehr jahrelang bei ihm blieben, sondern nach einem kurzen Zeitraum wieder abreisen mussten. Deshalb entwickelte er eine Methode, die schnell zu erlernen war. So wurde der Ashtanga Yoga mit seinen festen Asana Serien, in denen alles genau vorgegeben ist, geboren.
 
T. Krishnamacharya hatte zwei bedeutende Schüler: K.S. Patthabi Jois und B.K.S. Iyengar
 
Daraus entwickelten sich zwei Strömungen:
1. Statisches Yoga mit Hilfsmitteln von B.K.S. Iyengar
2. Ashtanga Vinyasa von K.S. Pattabhi Jois
Er blieb beim dynamischen Yoga und der Koordination von Atem und Bewegung.
 
Zwei bedeutende Schüler von P. Jois sind Sharon Gannon und David Life, die in den 1980er Jahren in New York Jivamukti Yoga gründeten. Sie waren die ersten, die die Ashtanga Serie kreativ gestalteten und mit moderner Musik kombinierten.
 
1999 lernte Patrick Broome aus Deutschland in New York bei den beiden Jivamukti Yoga und eröffnete 2003 das erste Jivamukti Yoga Studio in Deutschland.
 
Auch andere Schüler von P. Jois kamen in den Westen zurück und etablierten eigene Versionen von Vinyasa. So gibt es heute zahlreiche Vinyasa Schulen die sich mehr oder weniger stark an der Ashtanga Serie und/oder dem Chakra-System orientieren.
 

Das Energiesystem im Yogaunterricht

Yoga ist eine energetische und geistige Praxis.
 
Für die Arbeit mit den Chakren musst Du zuerst eine ganz wichtige Sache verstehen:
 
Chakras sind feinstofflich. Deshalb erreichen wir sie am besten über unsere Aufmerksamkeit. Denn wo unsere Aufmerksamkeit ist, dort fließt die Energie hin. Das ist auch der Grund, warum wir am Anfang der Yogastunde die Intension setzen.
 
Asanas wirken nicht direkt auf die Chakren, sondern öffnen den Raum, in dem sich die Chakren befinden, für den Atem. So können wir über den Atem die Aufmerksamkeit in die Chakren lenken.
 
Deine TeilnehmerInnen bringen ihre Aufmerksamkeit und damit die Energie in die Chakren, wo die kosmische Intelligenz dann alles so arrangiert, dass es in Richtung Zielerfüllung (Intension) gerichtet wird.
 
Es ist wichtig die SchülerInnen zu einer achtsamen Praxis anzuleiten, die frei von Ehrgeiz ist. Denn der Raum kann sich nicht öffnen, wenn man seinen Körper zieht und zwängt.
 
Aus diesem Grund bin ich auch ein Fan davon alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel zu verwenden. Das kann Deinen SchülerInnen eine besonders tiefe Erfahrung schenken.
 
Es geht also um den Atem und die Aufmerksamkeit. Das ist das Allerwichtigste.
 
Das Energiesystem
 

Auf dem Bild siehst Du das menschliche Energiesystem mit den drei Hauptnadis Ida, Pingala und Sushumna sowie den 7 wichtigsten Chakras.
(https://www.sahajayoga.de/chakras/)
 
Manifestation passiert vom Feinen ins Grobe oder bildlich gesprochen von oben nach unten. Die Seele tritt einige Zeit vor der Geburt über das Kronenchakra in den Körper ein und erlebt dann ein Leben in einem grobstofflichen Körper.
 
Dieser Weg von oben nach unten führt durch die Chakren und Sushumna Nadi, den wichtigsten Energiekanal für die Yogis.
 
Spirituelle Evolution geschieht energetisch betrachtet von unten nach oben, wenn die Energie durch Sushumna Nadi wieder nach oben steigt und sich im Kronenchakra mit dem kosmischen Bewusstsein rückverbindet (Yoga heißt auch Verbindung).
 
Im Laufe unseres Lebens ist es so, dass unsere Lebensenergie, auch Prana genannt, meistens entweder im linken (Ida) oder rechten (Pingala) Energiekanal fließt. Wie Du dem Bild entnehmen kannst, führen beide ins Nichts, bzw. ins Ego.
 
Je nach dem, in welchem Energiekanal Du gerade unterwegs bist, bist Du gedanklich in der Vergangenheit oder Zukunft, läuft Dein Nervensystem auf Aktivität oder Regeneration und Dein Geist ist nach Außen oder innen gerichtet.
 
Solange der Wechsel der Nadis in Balance ist, sind wir gesund und in dem Moment, in dem der Wechsel von einem auf den anderen Energiekanal stattfindet, haben wir die Chance, im Hier und Jetzt anzukommen – in Sushumna Nadi.
 
Sollten wir energetisch aus dem Gleichgewicht gekommen sein (und das ist bei sehr vielen Menschen in unserer Gesellschaft der Fall), können wir das durch Asanas und Pranayama – besonders durch die Wechselatmung und ihre verwandten Übungen – wieder herstellen, um die Energie dann in Sushumna Nadi zu lenken.
 
Dieses Eintreten und Aufsteigen der Energie in Sushumna Nadi ist der Beginn unserer spirituellen Entwicklung und wird Aufstieg oder Erwachen der Kundalini-Energie genannt. Es geschieht, wenn die Energie in Balance und das Energiesystem des Menschen bereit ist.
 
Dies ist der Fall, wenn es weitestgehend von Blockaden befreit ist und die Energiekanäle so gestärkt sind, dass sie eine größere Menge Energie aufnehmen und transportieren können.
 
Asanas, Pranayama, Kriyas, yogische Ernährung, Meditation und Mantra Wiederholung dienen dieser Reinigung. Besonders wirkungsvoll sind die Wechselatmung und Mantrameditation.
 
Energie, die durch Sushumna Nadi absteigt und manifestiert wird Shakti genannt. Steigt dieselbe Energie durch Sushumna Nadi auf, nennen wir sie Kundalini.
 
Kundalini ist also Lebensenergie, die durch Sushumna Nadi aufsteigt. Sie ist göttliche oder kosmische Intelligenz, die durch die weiblichen Gottheiten im Hinduismus dargestellt wird. Sie ist eine mütterliche Energie, die immer unser Bestes im Sinn hat.
 
In der Vinyasa Stunde bringen wir das Energiesystem in Harmonie und Balance und lenken die Energie mit Hilfe der Aufmerksamkeit und Atemlenkung durch die Chakren nach oben.
 
Am Ende der Yogastunde, also im Moment der Endentspannung, fließt die Energie harmonisch durch Sushumna Nadi, was den Zustand von Gedankenlosigkeit und spontaner Meditation hervorruft. Deshalb ist der kurze Moment des in Stille Sitzens nach Shavasana auch so wichtig.
 
Wenn dieser Zustand regelmäßig erfahren und bewusst wahrgenommen wird, können sich die TeilnehmerInnen irgendwann im Alltag daran erinnern und bei Bedarf spontan in ihn eintreten, was wichtig für ein bewusstes Leben ist.
 

Chakras und Aufbau der Vinyasa Stunde

Ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und mir ist bewusst, dass jede Yogatradition oder -richtung so ein bisschen ihre eigene Chakra Lehre hat. Ich erkläre hier mein persönliches Verständnis von dem Thema, das ich in meinen Yogastunden anwende.
 
Ich gebe dir hier einen allgemeinen Überblick, damit Du ein umfassendes Verständnis von dem Thema bekommst und verzichte ganz bewusst auf Einzelheiten und Details zu den einzelnen Energiezentren.
 
Unter dem Video verlinke ich Dir ein pdf, in dem ich so eine Übersicht gemacht habe. Die kannst Du gerne als Inspiration verwenden.
 
Was sind Chakren? – Energiezentren
Energiewirbel, die Energie in den Körper verteilen
Verbindung zwischen Geist und Materie
Geist – Gedanken; Körper – Emotionen
Blaupausen verschiedener Gehirnareale
 
Die Chakren halten Energie oder geben sie frei. Je nachdem, was die aktuelle Situation gerade erfordert. Wird der Mensch z.B. gerade von einem wilden Tier bedroht, geht seine gesamte Energie ins Wurzelchakra. Hier wird der Flucht oder Kampf Mechanismus ausgelöst und Energie in die Extremitäten geleitet, damit der Mensch sein Leben retten kann.
 
In dieser Situation wird es niemandem einfallen, sich fortpflanzen zu wollen, einen Businessplan zu erstellen oder über Liebe zu meditieren.
 
Es ist wichtig zu verstehen, dass kein Chakra besser oder schlechter oder wichtiger ist als ein anderes. Die unteren Chakren sind genauso gut und wichtig wie die oberen. Nur als Ganzes können wir eine integrierte und gesunde Persönlichkeit sein und das Leben ohne Einschränkungen leben, so, wie es unsere Seele wünscht.
 
Ein Mensch, der sich nur nach oben meditiert und seine unteren Chakren verleugnet und womöglich Dinge unterdrückt, ist genauso unvollständig, wie ein Mensch, der mit seinem Bewusstsein ausschließlich in den unteren Chakren unterwegs ist und sich von seiner Spiritualität abgeschnitten hat.
 
„Es ist nicht die Welt, die Du aufgeben musst, sondern das Verhaftensein an sie.“
(Sandra Weber)
 
Eine gesunde Entwicklung wäre, dass man sich von unten nach oben ent-wickelt und die Energie befreit. So steigt das Bewusstsein allmählich auf und die höhere Stufe wird von den unteren getragen und integriert. (Aufstieg der Kundalini – nicht in einer Sekunde – es ist ein Prozess)
 
 
 
Die unteren 3 Chakren sind diejenigen, die Energie konsumieren und für unser Überleben zuständig sind:
Überleben, Nahrung, Sicherheit, Grundbedürfnisse
Partnerschaft, Familie, Kooperation, Fortpflanzung, Werte, Ethik
Selbstliebe und -erhaltung, Schaffenskraft, Energie, Durchhalten, sich durchsetzen
 
Wenn die Energie in diesen Chakren ist, ist das Bewusstsein auf den eigenen Körper und Geist gerichtet und weniger auf andere. Andere werden eher als
Gefahr
Sicherheit
Konkurrenz oder Nutzen gesehen.
 
Erst ab dem 4. Energiezentrum, dem Herzchakra, das unser Zentrum ist, wird das umgekehrt und das Bewusstsein sein dehnt sich aus, erkennt alle Wesen als göttliche Seelen an und erkennt die Verbindung. Es wird erkannt, dass das Leid oder die Freude eines anderen das eigene Leid oder Freude bedeutet und Mitgefühl, bedingungslose Liebe und anderen dienen wollen sind die Konsequenz.
 
Die Energiezentren oberhalb des Herzens dienen der spirituellen Erkenntnis und schalten sich nach und nach frei wenn immer weniger Energie von den unteren Energiezentren konsumiert und festgehalten wird. Dann steht diese Energie für die oberen Zentren zur Verfügung.
 
Aber noch einmal: Die unteren Energiezentren sind genauso gut und wichtig. Sie tragen die oberen Chakren und stellen die Basis dar, auf der eine gesunde spirituelle Praxis erfolgen kann und spirituelle Erkenntnisse und Erfahrungen integriert werden können, die ggf. vom Herzen aus mit anderen geteilt werden:
 
Wurzelchakra sorgt für die Befriedigung der Grundbedürfnisse, Urvertrauen und Sicherheit. Wenn das nicht vorhanden ist, wird niemand auf die Idee kommen sich auf eine Partnerschaft einzulassen, eine Familie oder eine Firma zu gründen, geschweige denn zu meditieren.
Das Sakral Chakra sorgt dafür, dass wir Beziehungen haben, was für einen Menschen wichtig ist. Außerdem gibt es uns die Energie, um Werte und Ethik für uns zu finden, nach denen wir leben und diese Beziehungen führen wollen. Wir lernen Verantwortung für uns und andere zu übernehmen und in diesem Rahmen auf eine gesunde Weise das Leben zu genießen, ohne auszuufern (was passieren kann, wenn das Chakra aus der Balance ist).
Das Nabel Chakra sorgt dafür, dass wir uns in der Gesellschaft behaupten und ein gesundes Selbstbewusstsein und -vertrauen haben, uns versorgen und durchsetzen können. Wäre spirituelle Praxis ohne das möglich?
Ein geöffnetes Herzchakra ist absolut notwendig, damit die konsumierenden Tendenzen besonders vom Nabelzentrum in eine konstruktive Richtung gelenkt werden. Die Öffnung des Herzchakras erfolgt über Mut und Vergebung.
 
 
 
Die Herausforderung, die wir aktuell in der Welt sehen, ist dass die meisten Menschen die unteren 3 Energiezentren bedienen und sich permanent im Überlebenskampf befinden. Jeder will der Schönste, Schnellste, Beste, Erfolgreichste meinetwegen auch der Erleuchtetste sein und man kämpft mit allen Ellenbogen, die man hat.
 
Der Kampf richtet sich gegen sich selbst, den eigenen Körper, andere Menschen und die Natur. Wenn wir uns mit offenen Augen umschauen, was die Menschen sich selbst, gegenseitig und der Natur antun, dann erkennen wir schnell die Überbetonung des Nabel Chakras, das nicht vom Herzen geführt wird:
 
Raubbau am eigenen Körper, Überanstrengung, Drogenkonsum (dazu zähle ich auch Kaffee), viel zu hohe Erwartungen an sich selbst und andere, ewiges höher, schneller, weiter, auch auf Kosten anderer Menschen, Tiere, Pflanzen und der Erde, Plastikfelder in den Meeren, dezimierte Fischbestände, abgeholzte Wälder, täglich aussterbende Tierarten, Schlachthöfe, die Liste kann man unendlich weiterführen.
 
Und jede und jeder einzelne von uns ist mittendrin und versucht inmitten lebensfeindlicher Systeme irgendwie zu überleben. Ist es nicht so? Da ist die Schule, die den Kindern den Spaß am Lernen verdirbt, der Arbeitgeber, der zu wenig zahlt, das Gesundheitssystem, das seinen Namen kaum verdient und ein Finanzsystem, das von Anfang an nicht funktionieren konnte. Und manche leben in Familiensystem, die toxische Strukturen beinhalten und können noch nicht mal zu Hause zur Ruhe kommen.
 
Hinzu kommt noch, dass unser Körper Umweltgiften und Strahlungen ausgesetzt ist und viele ihn mit Sachen füttern, die so gar nicht dafür gedacht sind, plus Stress und destruktive Gedanken.
 
Uff. Und jetzt kommen wir mit Yoga?
 
In der Yogastunde arbeiten wir vor allem mit den unteren drei Energiezentren mit dem Ziel sie zu beruhigen und in Harmonie zu bringen. Wenn sie die Energie dann frei lassen, geschieht der Rest von selbst.
 
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Einschub:
Panchakoshas – 5 Hüllen-Modell
Wurzelchakra               Annamaya Kosha         Körper
Sakral Chakra               Pranamaya Kosha         Energie
Nabel Chakra               Manomaya Kosha         Geist
Herz Chakra                 Vijnanamaya Kosha      Intelligenz
Kehl Chakra & 3. Auge        Anandamaya Kosha      Bewusstsein
 
Je mehr die ersten drei Chakren und Koshas befreit werden, desto mehr entwickelt sich die Intelligenz und Bewusstsein erkennt sich immer mehr selbst – Befreiung des Selbst oder der Seele.
 
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Jetzt ist eine Sache wichtig zu verstehen: Wir arbeiten mit den Energiezentren über unsere Aufmerksamkeit. Weder die Asanas, noch Steine, Duftöle oder sonst irgendwas, womit Firmen viel Geld verdienen können, wirkt so stark auf die Chakren wie Deine Aufmerksamkeit. Energy goes where the mind flows – und andersrum.
 
Ich sage an dieser Stelle nicht, dass solche Dinge falsch oder schlecht sind. Ich sage nur, dass Deine Aufmerksamkeit das mächtigste Werkzeug ist, was Du hast, und das solltest Du auf jeden Fall nutzen. Wenn Du Dir dann noch ein Öl auf den Bauch schmieren möchtest – kein Problem, aber lass Dich nicht von dem schönen Duft ablenken und Deine Aufmerksamkeit wegtragen!
 
Also, was wir in der Vinyasa Stunde nutzen, sind die Aufmerksamkeit (die Asanas öffnen den Raum für den Atem und über den Atem lenken wir die Aufmerksamkeit) und so ein bisschen die Qualitäten der Chakren.
 
Beispielyogastunde, die ich gerne gebe: Spiritual Warrior:
 
Ankommen – Sicherheit, Wurzelchakra
 
Reinkommen, Energie kreieren, Warum up – Sicherheit, Wurzelchakra
 
Energie hochfahren in Leichtigkeit
Lebensfreude, Selbstverantwortung, Sakral Chakra
Später Herausforderung, Durchhalten, Nabelzentrum
 
In den Standhaltungen: aktive Füße, Fundament, Mula- und Uddiyana Bandha
 
Runterkommen und Vorbereiten (Hüftöffner und Stütz-/ Balancehaltungen)
Stabilität und Durchhalten, bringt Energie hoch, bereitet vor.
Mula- und Uddiyana Bandha
 
Alles auf machen, Peak der Stunde
Können alle Haltungen oder Chakras sein, z.B, Rückbeuge – Herz
Herz öffnen aus starker Mitte heraus!
 
Neutralisieren – Überlebenskampf ist vorbei, jetzt kommt Ruhe rein
 
Ausgleichen & nach Innen und nach Oben gehen, Energie nach oben lenken durch Atemlenkung in Vorbeugen
 
Integration, Umkehrhaltungen, obere Chakren, Atem einfach beobachten, wie er dorthin fließt.
 
Shavasana – alles wird integriert, kommt zur Ruhe, Energie fließt harmonisch. Das Bewusstsein wird ozeanisch, Grenzen lösen sich auf, mit allem verbunden.
 
Meditation und Abschluss mit Mantra, Den Zustand nochmal bewusst wahrnehmen und abspeichern
 

Jahreskreis

Samhain – Das Fest der Ahnen

Das Fest der Ahnen, keltisches Neujahr – Samhain- die Nacht auf den 1. November
 
Yoga ist keine Religion
Bg. 18.66
sarva-dharmān parityajya
mām ekaṁ śaraṇaṁ vraja
ahaṁ tvāṁ sarva-pāpebhyo
mokṣayiṣyāmi mā śucaḥ

Gib alle Arten von Religion auf, und ergib dich einfach Mir. Ich werde dich von allen sündhaften Reaktionen befreien. Fürchte dich nicht.
 
Warum feiern wir die Jahreskreisfeste?
Im Yoga geht es darum, dass wir wieder natürlich werden. In erster Linie bedeutet das, dass wir uns daran erinnern, wer wir wirklich sind: Nämlich eine ewige Seele, die weder geboren wird, noch jemals stirbt.
 
Gleichzeitig befinden wir uns jetzt in diesem Moment in diesem Körper und in dieser materiellen Welt, die auch göttlich ist. Und so wie wir den Göttlichen Gesetzen von Dharma (richtige Handlung) und Karma (Reaktionen auf Handlung) unterworfen sind, so sind wir auch den Zyklen und Rhythmen der Natur unterworfen.
 
Der Mensch unternimmt und erfindet einiges, um sich den natürlichen Zyklen zu entziehen:
Mit Lampen, machen wir die Nacht zum Tag, die Heizung macht es möglich, auch im Winter im T-Shirt am Laptop zu sitzen und im Supermarkt bekommen wir das ganze Jahr über alle Obst und Gemüsesorten. Aber wir können den Rhythmen nicht entkommen, wir spüren es trotzdem.
 
Es sind nicht nur die Temperaturen, die sich verändern. Es ist auch das Licht, die Natur, die Farben, aber auch unsere Gedanken und Gefühle und die kollektive Stimmung und das macht etwas mit uns. Und es macht einen gewaltigen Unterschied, ob wir dem ganzen unbewusst ausgeliefert sind oder sogar in den Widerstand gehen, oder ob wir bewusst und positiv mit den Veränderungen mitgehen und die unterschiedlichen Zeiten und Energien willkommen heißen.
 
Genau das machen wir an den Jahreskreisfesten. Wir halten einen Moment inne und schauen, was sich jetzt gerade verändert und wo die Reise hin geht. Wir nutzen den Moment und schauen, was jetzt wirklich dran ist, stellen uns auf die neue Jahreszeit ein, schauen dankbar zurück auf das, was war, freuen uns auf das, was vor uns liegt, stellen uns aber auch bewusst auf mögliche Herausforderungen ein und können dadurch leichter damit umgehen.
 
Das Leben wird leichter, weil wir uns dem natürlichen Fluss des Lebens und der Jahreszeiten hingeben und sie bewusst erleben. Du kannst dir das etwa so vorstellen, wie die Tageszeiten. Wir alle haben eine innere Uhr, die dafür sorgt, dass wir morgens aufwachen und abends müde werden. Wenn wir versuchen gegen diesen Rhythmus zu leben, mag das gut gehen, aber auf Dauer werden wir davon krank. Und so ist es auch mit den Jahreszeiten.
 
Das Licht, die Farben, die Stimmung, die Früchte, die reif sind, alles wirkt auf uns und unser Körper, aber auch unser Geist stellen sich auf die jeweilige Zeitqualität ein. Diese Anpassung kann einige Tage dauern – besonders wenn es Herbst wird, spüren wir, dass wir vielleicht für ein paar Tage mehr Ruhe brauchen als sonst, dass wir Appetit auf andere Speisen haben als noch im Sommer, dass wir andere Dinge tun möchten usw.
 
So helfen uns die Jahreskreisfeste, dass wir kurz aus dem Alltag aufwachen und bewusst wahrnehmen, was jetzt dran ist. Dass wir uns und die Welt, die Natur um uns fühlen. Durch die Jahreskreisfeste können wir uns  bewusst auf die Veränderungen einstellen und sie sogar positiv für uns nutzen.
 
Samhain – Beginn des Winters, keltisches Neujahr
Samhain ist das erste der Jahreskreisfeste, das keltische Neujahr und der Beginn des Winterhalbjahres. Unsere Vorfahren unterschieden nur zwischen 2 Jahreszeiten: Sommer und Winter. Jetzt beginnt der Winter und wir gehen in die Dunkelheit.
 
Der Sommer hat eine männliche Qualität: Es ist heiß, wir sind aktiv, gehen räumlich und geistig mehr nach außen und verbrauchen Ressourcen.
 
Der Winter hat eher die weibliche Qualität: Es ist dunkel und kalt, wir sind eher passiv, alles zieht sich zurück, wir gehen räumlich und geistig mehr nach Innen, können das vergangene Jahr verdauen, verarbeiten, reflektieren.
 
Ab November wird es deutlich kälter und dunkler. Die Natur zieht sich zurück, Bäume werfen ihre Blätter ab, Gräser und Sträucher vergehen, Zugvögel fliegen weg und auch für uns beginnt eine Zeit, in der wir uns nicht nur räumlich zurückziehen, sondern auch geistig Innenschau halten können.
 
Ganz bewusst eine Pause machen. Das hinter uns liegende Jahr verdauen und verarbeiten.
 
Tabuthema Tot
Zur Zeit unserer Vorfahren gab es keine Heizungen, Strom, warmes Wasser aus der Leitung und gefüllte Supermärkte. Im Winter war der Tot allgegenwärtig. Deshalb sind wir an Samhain dazu eingeladen, uns diesem Thema bewusst zu widmen, auch wenn es heute für viele Menschen zu einem Tabu geworden ist.
 
Aber der Tot gehört zum natürlichen Zyklus des Lebens. Alles im Leben verläuft in Zyklen. Das Kommen und Gehen der Jahreszeiten, Geburt und Tot, Säen und Ernten…. Das Interessante daran ist, dass viele Menschen, die den Tot verdrängen, den Wert ihres Lebens gar nicht wirklich schätzen können. Sie rennen durch ihr Leben und wissen oft gar nicht wohin. Man hat Angst, ist vorsichtig und passt sich an und verpasst es, sich selbst in seiner Essenz in vollen Zügen zu er-leben.
 
Ein Mensch dagegen, der sich seiner Sterblichkeit bewusst ist, der erkennt den Wert jedes einzelnen Moments. Der Duft einer Tasse Tee, Sonnenstrahlen, die am Morgen ins Zimmer scheinen, das Lachen eines lieben Menschen. So ein Mensch rennt daran nicht vorbei, sondern erlebt das alles ganz bewusst und voller Wertschätzung. Und dadurch entsteht eine innere Fülle, die die Sprinter nicht verstehen können.
 
Die Menschen, die ständig getrieben sind und durch ihr Leben hetzen, denken: Wenn ich nur schnell dort ankomme oder das und das erreiche, dann erfüllt das meine innere Leere, dann bin ich glücklich. Aber sie kommen nie an, bzw. wenn sie erreicht haben, was sie wollten, füllt das die innere Leere nur sehr kurz und dann rennen sie schon wieder dem nächsten Ziel nach, von dem sie sich die Er-Füllung versprechen.
 
So geht es leider den meisten Menschen. Wir sind so erzogen und konditioniert worden: Du bist nur wer, wenn Du was hast  und was erreichst, das Leben ist hart, du musst dich anstrengen, das Leben ist ein sinnloser Unfall, man lebt nur einmal und Ziel dieses Daseins ist es, möglichst viel zu konsumieren und zu genießen, seine Gene weiterzugeben und dann war es das.
 
Wirklich? Durch Yoga wollen wir uns einer anderen Realität bewusst werden. Die Seele ist ewig. Und damit ist das Leben ewig. Ich bin gewollt, ich bin geliebt, ich bin eine Verkörperung Göttlicher Liebe, die ich in jeden Moment meines Lebens strahlen lassen kann.
 
Mit Hilfe der Yoga-Techniken können wir die alten Konditionierungen auflösen, uns davon befreien und die die Wahrheit erfahren. Und wenn ich so denke, welchen Dingen soll ich dann noch hinterherlaufen?
 
Wenn Du endlich stehen bleibst und dich traust, langsam zu sein, dann bekommt Dein Leben eine so großartige Intensität, dass sich das Vakuum ganz von selbst füllt. Dann braucht es keinen Besitz, keinen Status, kein Jemand-Sein, keine Macht. Dann bist du erfüllt und glücklich, weil Du mit jedem Atemzug spürst, wie das Göttliche durch Dich atmet.
 
Und so kannst du dir an Samhain diese Frage stellen: Wo fühle ich eine Leere in meinem Leben? Renne ich vielleicht zu schnell? Und wo renne ich überhaupt hin? Warum? Was würde passieren, wenn ich langsamer werde?
 
Wenn wir beginnen uns ehrlich mit der Vergänglichkeit unseres materiellen Daseins auseinander zu setzen und anfangen uns Fragen zu stellen darüber, wie wir wirklich leben und was wir wirklich verkörpern wollen, hat das etwas zutiefst transformatives. Und die Transformation geschieht in der Dunkelheit. Wie eine Raupe, die sich verpuppt, um in der Dunkelheit ihres Kokons zum Schmetterling zu werden, oder wie ein Baby, dass in der Dunkelheit des Mutterbauches heranwächst. Es ist von außen zunächst nicht sichtbar.
 
Und so können wir in der Dunkelheit des Winters verarbeiten, verdauen, reflektieren, heilen, erneuern und Kraft schöpfen für das kommende Sommerhalbjahr. Dabei ist mir wichtig noch einmal deutlich zu sagen, dass die Vergänglichkeit unseren Körper und diese Inkarnation betrifft. Ein anderer Teil von uns, die Seele ist ewig (dazu komme ich gleich).
 
Wenn wir also darüber nachdenken, wie wir leben wollen und uns fragen, was uns glücklich macht, können wir zwei Ebenen unterscheiden:
 
Was macht meine vergänglichen Anteile glücklich? Also Körper, Gedanken, Emotionen. Dieses Glück ist vergänglich und nicht von Dauer.
 
Und was macht meinen ewigen Anteil, die Seele glücklich? Dieses Glück ist von Dauer und hat auch keinen Auslöser in äußeren materiellen Dingen.
 
Damit komme ich zum nächsten Punkt, bei dem es um genau diesen ewigen Teil von uns geht:
 
Samhain – Tot und Ahnen
Ziel des Yoga und jeder spirituellen Praxis ist es, sich aus der falschen Identifikation mit dem Vergänglichen (Körper, Geist, Besitz, Status ect.) zu lösen und sich als ewiges spirituelles Wesen, als Seele zu begreifen. Somit ist die Geburt kein Beginn und der Tot kein Ende, sondern es sind Übergänge, in denen die Seele ein körperliches Kleid annimmt und wieder ablegt.
 
Dies wird im Yoga Sutra uns der Bhagavad Gita in den folgenden Versen beschrieben:
 
yogaś-citta-vṛtti-nirodhaḥ ||YS 1.2||
Yoga ist das Abklingen/ zur Ruhe kommen der Bewegungen im Geist
 
tadā draṣṭuḥ svarūpe-‚vasthānam||YS 1.3||
Dann verweilt der Wahrnehmende (Sehende) in seiner eigenen Natur.
 
na jāyate mriyate vā kadācin
nāyaṁ bhūtvā bhavitā vā na bhūyaḥ
ajo nityaḥ śāśvato ’yaṁ purāṇo
na hanyate hanyamāne śarīre //BG 2.20//

 
Für die Seele gibt es zu keiner Zeit Geburt oder Tod. Sie ist nicht entstanden, sie entsteht nicht, und sie wird nie entstehen. Sie ist ungeboren, ewig, immerwährend und urerst. Sie wird nicht getötet, wenn der Körper getötet wird.
 
Wenn wir von dieser Ansicht ausgehen, dann sind auch unsere Ahnen nicht tot, sondern befinden sich nur nicht mehr in dem Körper, in dem wir sie kannten. Ihre Seele existiert weiter und wir können mit Ihnen in Kontakt treten. Und das ist an Samhain besonders gut möglich.
 
Samhain ist eine Rauhnacht. Das bedeutet, dass die Schleier zwischen der grob- und feinstofflichen Welt dünner sind und es leichter ist mit Wesen in Kontakt zu kommen, die sich in dieser anderen Welt oder auf anderen Ebenen befinden. Das hat nichts Gruseliges an sich, wie uns Halloween, die entartete Version von Samhain wohl weis machen möchte, es ist etwas sehr Liebevolles und Schönes.
 
Ohne unsere Ahnen gäbe es uns nicht. Vieles von dem, was wir haben, haben sie erschaffen. Sie lieben uns und stehen unterstützend hinter uns. An Samhain können wir sie einladen, uns mit ihnen verbinden und diese Verbindung zelebrieren, wir können ihnen danken und gute Wünsche schicken. Vielleicht möchten wir sie auch um Unterstützung für etwas bitten. Denn jetzt stehen wir ganz vorne in der Reihe – und wir können uns fragen: Was ist jetzt meine Aufgabe?
 
Früher gab es den Brauch, dass man einen Platz am Tisch für die Ahnen gedeckt und ihnen ihr Lieblingsessen serviert hat. Man kann auch Fotos aufstellen, ein Licht für sie entzünden oder einfach an sie denken und sich bei Kerzenschein oder an einem Feuer Geschichten von ihnen erzählen.
 
Es ist wichtig für die Familie und besonders für die Kinder, dass wir die Erinnerung an unsere Vorfahren wachhalten. Aber was ist, wenn wir keine schönen Erinnerungen an sie haben? Was, wenn wir eigentlich froh sind, dass jemand nicht mehr da ist?
 
Dazu kann ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass Samhain ein guter Moment für Vergebung ist. Wir sind sicher, denn dieser Mensch, der uns – was auch immer – angetan hat, ist physisch nicht hier. Vergebung heißt nicht, dass wir etwas einfach vergessen oder gutheißen sollen. Vergebung bedeutet, dass wir loslassen, uns aus der Opferrolle befreien und dem Geschehenen keine Macht mehr über uns geben.
 
Früher dachte ich, Vergebung müsse mit irgendeinem bestimmten Gefühl verbunden sein. Dem ist aber nicht so. Es reicht, wenn du es aussprichst: „Ich vergebe Dir.“ Hat eine unglaubliche Kraft und nochmal: Es ist dabei völlig egal, ob derjenige ein Recht hatte, zu tun, was er oder sie getan hat, ob es richtig oder falsch war oder wie schlimm es war. Es heißt einfach nur: Ich vergebe Dir. Und dieser Satz schenkt Dir Deine Freiheit zurück! Und der anderen Seele auch.
 
Ich möchte noch einmal kurz auf das Thema Glück zurückkommen. Ich hatte die Unterscheidung getroffen zwischen dem vergänglichen Glück, das für unsere äußeren Anteile, also Körper und Geist, ist und dem ewigen Glück, dass für unsere Seele ist.
 
Eigentlich haben wir keine Seele, sondern sind Seele.
 
Also was kannst du für die Ewigkeit tun? Was nährt die Seele?
 
Es sind die Dinge, die aus materieller Sicht oft keinen Sinn machen. Sie haben nichts mit Haben, Bekommen oder Werden zu tun, sondern mitgeben und sein. Mit den Liebsten am Feuer sitzen und singen, anderen Menschen ein Lächeln, Freude, Liebe oder mein Ohr und meine Zeit schenken, jemandem helfen, beten, meditieren, der Natur lauschen.
 
Das Glück der Seele ist nicht laut, es schenkt tiefen Frieden. Auf ebene der Seele sind wir nicht getrennt. In unserer Essenz sind wir eins. Das bedeutet, wenn Du das Leid eines anderen Menschen oder Lebewesens linderst, linderst Du gleichzeitig Dein eigenes Leid. Wenn Du jemandem Freude schenkst, kommt sie auch zu Dir.
 

Jahreskreis

Wintersonnenwende & Rauhnächte

Licht und Dunkelheit
 
Die Sonne ist die Quelle des Lebens. Wir brauchen die Sonne für Licht und Wärme. Außerdem liefert sie die Energie, die für das Wachstum der Natur und allen Lebens notwendig ist. Die Sonne steuert das Leben auf unserem Planeten. Sie gibt den Takt zwischen Tag und Nacht und den Wechsel der Jahreszeiten an. Deshalb beten viele Völker der Erde die Sonne als Ausdruck des Göttlichen an.
 
Aber wir brauchen eben nicht nur das Licht, sondern auch die Dunkelheit. Licht steht auch für die männliche Energie und Dunkelheit für die Weibliche. In unserem menschlichen Energiekörper haben wir den rechten Energiekanal, Pingala Nadi, der für die Sonne und die männliche Energie steht und den linken Energiekanal, Ida Nadi, der für die weibliche Energie steht und auch Mondkanal genannt wird. Die Atemübungen, die den jeweiligen Energiekanal aktivieren heißen Surya (Sonne) und Chandra (Mond) Bhedhana. Und es geht darum, beides in einen Ausgleich zu bringen.
 
Es ist also nicht eines besser als das andere, sondern beide sind gleichwertig. Wir brauchen die Empfänglichkeit, die weiblich ist, genauso, wie die Aktivität, die wir dem Männlichen zuordnen können. Das Gefühl genauso, wie den Verstand, die Verbindung nach Innen genauso, wie die nach außen.
 
Ein Baby wächst in der Dunkelheit des Bauches der Mutter, in der Dunkelheit der Nacht geschieht Heilung und Regeneration. In den Zeiten, in denen es kein künstliches Licht gab, war die Dunkelheit die Mutter, die uns zur Ruhe rief und die Menschen dazu brachte ihre Geschäftigkeit zu unterbrechen. In der Dunkelheit ruht man und hat Zeit sich nach Innen zu wenden. Und hier in unserem Inneren begegnen wir unserer eigenen inneren Dunkelheit. Es wird nicht umsonst Schattenarbeit genannt, wenn wir unsere Traumen und Ängste transformieren.
 
Wir brauchen die Balance zwischen Licht und Dunkelheit und genau diese Balance liefert uns die Natur über das Jahr gesehen in absoluter Perfektion. Und wie so oft, hat der Mensch es auch hier geschafft, sich durch künstliches Licht und die vorweihnachtliche Geschäftigkeit sehr weit von seinem natürlichen Rhythmus zu entfernen.
 
Wir machen die Nacht zum Tag und finden immer neue Dinge, mit denen wir uns ablenken können und die uns davon abhalten nach Innen zu schauen. Es scheint so, als würden die Menschen alles tun, um der Innenschau zu entgehen. In dieser dunklen Zeit des Jahres werden diese Dysbalancen für mich immer wieder sehr deutlich.
 
Im Sommer ist es natürlich, dass wir viel raus gehen, im Außen und in der Aktivität sind. Aber im Winter ist die Zeit für Ruhe, Innenkehr und Regeneration. Die immer früher eintretende Dunkelheit ruft uns nach Innen. Aber was machen die Menschen?
 
Sie glauben, das ganze Jahr über wie ein Uhrwerk immer gleich funktionieren zu müssen. Aber das ist unnatürlich und viele merken das. Ich höre es von vielen Menschen in meinem Umkreis, dass sie müde sind und eigentlich viel mehr Ruhe haben oder schlafen wollen. Und viele denken, dass irgendwas mit ihnen nicht stimmt.
 
Aber ich würde sagen, es ist alles sehr natürlich. Unsere innere Uhr und der ganze Hormonspiegel hängen doch von der Sonne ab. Und wenn es dunkel ist und das Sonnenlicht fehlt, dann werden wir müde.
 
Tiere legen sich zum Winterschlaf. Bäume werfen ihre Blätter ab, die ganze Natur zieht sich zurück. Warum sollte das für uns anders sein? Also mein Tipp wäre an der Stelle, dass du sanft und liebevoll mit dir umgehst und dir so viel Ruhe wir möglich gönnst, wenn du das so fühlst. Du darfst deinem Körper vertrauen. Er wird es dir danken und Deine Energie wird bald zurückkommen.
 
Natürlich ist es wichtig, dass Du dich gesund ernährst und genug Bewegung an der frischen Luft hast und auch die Momente nutzt, wenn die Sonne da ist, um etwas von ihrem Licht zu erhaschen. Aber wenn Dein Körper nach Ruhe verlangt, dann ist nichts falsch daran. Es ist einfach der natürliche Rhythmus. Und womöglich ist es auch so, dass wir das deutlicher spüren je bewusster und natürlicher wir sind.
 
Also wenn du schon viel an Dir gearbeitet hast und sehr bewusst bist, dann spürst du wahrscheinlich auch die natürlichen Rhythmen der Natur deutlicher als jemand, der eher unbewusst lebt und noch dicke Schichten um sich herum hat.
 
Die Wintersonnenwende
 
Was hat das jetzt alles mit der Wintersonnenwende zu tun?
 
Wenn man den Lauf der Sonne mit dem Mondzyklus vergleicht, dann haben wir zur Wintersonnenwende Neumond, bzw. Neu-Sonne. Es ist der dunkelste Zeitpunkt im Jahr. Spannend ist, dass wir dieses Jahr 2025 zur Wintersonnenwende tatsächlich auch Neumond haben. Es wird also ganz besonders dunkel.
 
In der Zeit zwischen der Sonnenwende im Sommer und der im Winter haben wir „abnehmende“ Sonne. Es wird täglich dunkler, das Licht schwindet. Jetzt zur Wintersonnenwende ist Neu-Sonne. Jetzt ändert die Sonne ihre Richtung und das Licht nimmt ab jetzt wieder zu. Das neue Licht oder die neue Sonne wird geboren – kennst Du das irgendwo her?
 
Die Richtungsänderung der Sonne dauert 3 Tage. In diesen 3 Tagen geschieht scheinbar nichts. Die Tageslänge bleibt gleich. Die Sonne kommt an ihrem niedrigsten Stand an, hält dort und ändert die Richtung. Es passiert also schon etwas, aber es ändert sich nichts an der Tagelänge.
 
Natürlich ändert in Wirklichkeit nicht die Sonne ihre Richtung, sondern die Erde ihren Bezugspunkt in der Umlaufbahn und ihre Neigung. Die Jahreszeiten und unterschiedlichen Tageslängen kommen durch die Neigung der Erde und die sich dadurch verändernden Lichtverhältnisse während des Jahres zustande.
 
Spannend ist auch, dass sich der Winkel verändert, in dem das Sonnenlicht auf die Erde trifft. Vielleicht ist dir das auch schon aufgefallen, dass sich die Lichtverhältnisse und die Energie nach der Wintersonnenwende und spätestens ab dem 25. Dezember deutlich verändern.
 
Und auch wenn die Tage ab jetzt wieder länger werden, merkt man erstmal noch nicht so viel. Aber unter der Erde und unter dem Schnee beginnt die Natur sich neu zu regen und auf den kommenden Frühling vorzubereiten. Das Licht ist neu geboren und auch die Natur geht schon wieder in die Startlöcher.
 
Du kannst ja mal darauf achten, ob Du diese Energie des Neubeginns in den Tagen nach der Wintersonnenwende wahrnehmen kannst.
 
Die Rauhnächte
 
Was hat es nun mit den Rauhnächten auf sich?
 
Das Sonnenjahr – also ein Umlauf der Erde um die Sonne – dauert 365 Tage.
12 Mondzyklen zu je 29 Tagen dauern 354 Tage.
Der 354. Tag des Jahres ist der 20. Dezember. Danach sind 11 Tage, bzw. 12 Nächte übrig, bis das Sonnenjahr abgeschlossen ist.
 
Somit sind die 12 Rauhnächte (jede Rauhnacht geht von 0-24 Uhr) die Zeit „zwischen den Jahren“. Ihnen wohnt eine ganz besondere Energie inne, die sehr mystisch ist. In dieser Zeit sind die Schleier zwischen den Welten dünner und es ist besonders leicht nach Innen zu gehen und Kontakt aufzunehmen mit den Ahnen, mit der Quelle, mit der Natur, Pflanzen und Tieren, der eigenen Seele, unserem Herzen.
 
Es gibt auch die Tradition die Rauhnächte ab dem 25. Dezember zu beginnen, weil dann erst das Licht wieder länger da ist. In dem Fall gehen sie nicht bis zum 1. Januar, sondern bis zum 6. Januar. Fühle hier einfach in Dich hinein, was sich für Dich passend anfühlt. So wird es für dich richtig sein.
 
Es wird gesagt, dass jede Rauhnacht für einen Monat des kommenden Jahres steht. Deshalb wird diese Zeit ganz besonders achtsam und bewusst begangen:
 
Wie ist das Wetter? Wie ist die Stimmung allgemein? Wen trifft man? Wer kommt zu Besuch? Was träumt man? Was hast Du für Gefühle? Welche Themen zeigen sich? Was für Gedanken oder Ideen hast Du? Viele Menschen orakeln auch in dieser Zeit.
 
Ob man die Rauhnächte nun als Orakel für das kommende Jahr sieht oder einfach als eine besondere mystische Zeit. Sie sind auf jeden Fall die Einladung, uns nach Innen zu wenden, Zeit allein und mit unseren Liebsten zu verbringen, auch zu feiern, sich zu erinnern, dankbar zu sein und sich bewusst auf das neue Jahr auszurichten und einzuschwingen.
 
Als kleine Inspiration für die Rauhnächte habe ich Dir noch zwei Arbeitsblätter hinterlegt:
 
Die Reflexion des alten Jahres und die Jahresintension.
 
Damit kannst Du das letzte Jahr nochmal reflektieren und dich dann ganz bewusst auf das neue Jahr ausrichten. Ich finde es sehr hilfreich, das schriftlich zu machen, denn so hast Du es gleich manifestiert.
 
Als ein schönes Ritual mag ich persönlich, alles, was ich im alten Jahr zurücklassen und loslassen möchte, mit Dankbarkeit auf Papier zu schrieben und im Feuer zu verbrennen. Alles, was ich neu einlade, visualisiere ich mir in einer Mediation und fühle es, wie sich mein Leben anfühlt, wenn es so ist.
 
Ich wünsche Dir alles Gute, ganz wunderschöne segensreiche Rauhnächte und ein bewusstes neues Jahr!
 
 
Inspiriert aus dem Buch: Das Rätsel der Rauhnächte von Reinhardt Stiehle
 
Animation des Umlaufs der Erde um die Sonne:
https://youtu.be/OBrsKknKkkU?si=ywel6HmohCrFzmbb

Jahreskreis

Reflexion des alten Jahres

 
1. Was habe ich dieses Jahr geschafft/ gut gemacht?
 
2. Welche Projekte habe ich abgeschlossen?
 
3. Welche Herausforderungen habe ich bewältigt? Was habe ich dadurch gelernt?
 
4. Wer oder was hat mich dabei (1-3) unterstützt?
 
5a) Wem gegenüber habe ich meine Anerkennung dafür noch nicht ausreichend ausgedrückt und wie möchte ich das evtl. noch tun?
 
5b) Wofür habe ich mir selbst gegenüber noch nicht genug Anerkennung geschenkt? Wie möchte ich das tun (es wenigstens einmal laut sagen…..)
 
6. Für welche Ereignisse des letzten Jahres bin ich dankbar?
 
7. Welche Dinge sind noch offen? Was davon kann ich dieses Jahr noch klären oder abschließen? Was nehme ich mit ins neue Jahr, um es dann abzuschließen?
 
8. Welche Lektionen habe ich in diesem Jahr gelernt?
 
9. Welche Reisen habe ich unternommen? Welche Eindrücke, Erkenntnisse habe ich dadurch gewonnen?
 
10. Was möchte ich im alten Jahr zurück/ hinter mir lassen, loslassen?
(Schreibe es auf einen Zettel und verbrenne es mit Dankbarkeit im Feuer)
 
11. Wem/Was habe ich noch nicht vergeben? Möchte ich das jetzt tun?
 
12. Geburten, Hochzeiten, Abschiede…. (wer, wann, was hat mich bewegt?
 
 
 
Inspiriert von dem Buch: „Mein Rauhnachtbegleiter“ von Jeanne Ruland

Jahreskreis

Intension für das neue Jahr

 
1. Was gibt mir Sicherheit? Wie möchte ich das stärken?
 
2. Was sind meine Werte? Welche Werte möchte ich leben und wie?
 
3. Wie soll sich mein Leben anfühlen und wie bringe ich dieses Lebensgefühl in mein Leben?
 
4. Welche Qualität wünsche ich mir für meine Beziehungen und Partnerschaften? Was bin ich bereit zu geben? Wo möchte ich mich tiefer einlassen? Wo eher lösen?
 
5. Was ist meine Vision? Wie möchte ich sie verwirklichen? Was möchte ich von Herzen tun?
 
6. Wer/ Was unterstützt oder stärkt mich? (Menschen, Tiere, Pflanzen, Orte, Praktiken, Rituale, Götter, Engel, ect.)
 
8. Worin möchte ich mich weiterbilden? Wie möchte ich mich persönlich weiterentwickeln?
 
9. Was möchte ich zum großen Ganzen/ zum Wohle der Gemeinschaft beitragen?
 
10. Was möchte ich für meinen Körper/ meine Gesundheit tun?
 
11. Was gibt mir Kraft und Energie? Was tut mir gut? Wie möchte ich mich regelmäßig nähren?
 
12. Welche spirituelle Praxis möchte ich vertiefen?
 
 
Du kannst nach jedem Punkt die Augen schließen und fühlen, wie es jetzt so ist. Wie fühlt es sich an? Wie verhältst Du Dich, wenn es so ist? Visualisiere Dich und Dein Leben, wenn es so ist.
 
 
Inspiriert von dem Buch: „Mein Rauhnachtbegleiter“ von Jeanne Ruland
 

Karma & Reinkarnation

Klassische Perspektiven
Seit ich mit Yoga begonnen habe ist eine neue Sicht in mein Leben gekommen. Nämlich die, dass ICH kein reines Körper-Geist Wesen bin, das nur dieses eine Leben hat und in diesem Leben so viel Spaß wie möglich haben will, sondern dass ICH in meiner wahren Essenz eine Seele, also ein spirituelles Wesen bin, das jetzt gerade eine materielle Erfahrung in einem Körper macht, an sich aber feinstofflich und ewig ist.
 
Weiterhin lernt man im Yoga, z.B. in der Bhagavat Gita, dass die Seele dem Karma, also dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterworfen ist und solange inkarniert, bis kein Karma mehr übrig ist. Dazu werden dann auch Erklärungen gegeben, wie man handeln kann ohne neues Karma zu erschaffen.
 
Das Bild, das ich vorher vom kirchlichen Hintergrund hatte, oder das mir im evangelischen Konfirmations-Unterricht vermittelt wurde, beinhaltete auch, dass das Leben nach dem Tod weiter geht. Aber je nach meinem Karma, wenn man es so nennen möchte, entweder Himmel oder in der Hölle.
 
Wenn ich also in meinem jetzigen Leben gute Taten vollbringe und ein guter Mensch bin, dann komme ich in den Himmel, wo ich in Saus und Braus lebe und wo alles schön ist, oder wenn ich schlechtes tue und mich schlecht verhalte, dann komme ich in die Hölle, wo ich auf ewig vom Teufel gequält werde.
 
Da war ich mit dem Bild, das mir die Gita vermittelt hat, schon besser dran. Aber es ist immer noch sehr ähnlich: Tust du Gutes, dann bekommst du eine gute Reinkarnation, tust du schlechtes, dann musst du im nächsten Leben leiden.
 
Von daher sind da schon noch Ähnlichkeiten und auch das hat mir ehrlich gesagt Angst gemacht. Und das ist mein Punkt. Wenn solche Weltanschauungen vermittelt werden, wie kann dann der Gott, der dahinter steht als liebevoll erkannt werden? Und wenn ich als Lebewesen durch Angst und Strafe zu gebracht werden muss, mich ordentlich zu verhalten, wie kann ich dann jemals erkennen, dass ich gut und die Liebe selbst bin`?
 
Und dann kommen die ganzen Verhaltensanweisungen und Regeln, Ge- und Verbote usw. und ich zumindest fühle mich von all dem ziemlich unter Druck gesetzt. Vor allem, weil die Aussichten ja ziemlich übel sind, wenn man es nicht schafft.
 
Und damit meine ich jetzt nicht die großen verbrechen wie Du sollst nicht stehlen oder töten. Sondern auch solche Sachen wie Du sollst nicht wütend sein, immer ausgeglichen bleiben und alle mit gleichen Augen sehen, nicht an den Ergebnissen deiner Handlung haften usw. Alle diese Anweisungen machen total viel Sinn und ich finde es sehr hilfreich danach zu leben. Nur gelingt es eben nicht immer. Und die Frage ist auch: Wenn man sich nicht an die Regeln hält – was ist der Grund dafür?
 
Neue Perspektive:
Deshalb möchte ich heute mit dir eine etwas andere Perspektive auf dieses Thema teilen, die auf Liebe und Freiwilligkeit beruht und in meinen Augen einfach viel mehr Sinn macht, wenn man davon ausgeht, dass das Göttliche pure reine Liebe ist und wir alle Teilchen von diesem Göttlichen sind – also in unserer Essenz reine Liebe. Und dass es einen freien Willen gibt, von dem ja auch in der Bhagavat Gita die Rede ist (BG 18.63 Somit habe ich dir Wissen erklärt, dass noch vertraulicher ist. Denke gründlich darüber nach und tue dann, was dir beliebt).
 
Stell Dir bitte mal vor, du hast gerade deinen irdischen Körper verlassen und stehst nun am Himmelstor – als Seele. Alle weltlichen oder materiellen Begrenzungen sind weg, was bedeutet, dass du viel mehr wahrnehmen kannst als vorher. Du siehst die Vergangenheit und die Zukunft, denn du bist nicht mehr auf die lineare Zeitsicht beschränkt.
 
Und du kannst die Gedanken und Gefühle anderer Lebewesen wahrnehmen, denn auf Ebene der Seele sind wir verbunden. Das können wir zu einem gewissen Maß auch, wenn wir im Körper sind, besonders, wenn wir die andere Person oder das andere Wesen sehr gut kennen, sind aber eben nur sehr beschränkt.
 
Jetzt, wo du den Körper abgelegt hast, kannst du dein vergangenes Leben, deine Handlungen und die Reaktionen darauf – also die Gefühle der anderen ganzheitlich wahrnehmen und erkennen, wo du Liebe verbreitet und wo du Schmerz verursacht hast.
 
Jetzt bist du als Seele pure reine Liebe und siehst voller Mitgefühl die Situationen, in denen du jemandem Schmerz zugefügt hast und wirst nun gefragt: Möchtest du in der spirituellen Welt bleiben – also nicht mehr Inkarnieren oder möchtest du nochmal zurück?
 
Was wird Deine Antwort sein?
 
Natürlich wirst du dich entscheiden zurückzugehen und Liebe zu geben. Nicht weil du es musst. Nicht weil es eine Strafe ist. Sondern weil es Dein tiefer Herzenswunsch ist, den anderen Seelen uneingeschränkt Deine Liebe zu geben und ihre Wunden zu heilen, ihr Leid zu lindern!
 
Denn der einzige Grund, warum du jemandem überhaupt Schmerz zufügen konntest (also die Göttlichen Gesetze gebrochen hast) ist ja nicht, weil du von Grund auf schlecht bist, sondern weil deine Kapazität Liebe zu geben eingeschränkt war. Durch Angst, Konditionierung, Trauma, was auch immer. Und somit will die Seele selber heilen, um dann uneingeschränkt Liebe zu geben und ihre wahre Essenz – reine Göttliche Liebe – zu verkörpern und dann eben auch auszustrahlen.
 
Und so ist diese Welt weder eine Schule noch ein Gefängnis. Sie ist ein Geschenk Gottes an die Seelen, sich selbst als Liebe zu verkörpern und im liebevollen Austausch miteinander diese Liebe zu erfahren – im Geben und Empfangen.
 
Und Reinkarnation ist weder Strafe noch Belohnung, sondern eine freie Entscheidung, die aus Liebe getroffen wird. Aus dem Wunsch der Seele heraus ihre Liebe noch weiter zu entfalten und auszudehnen, Leid anderer Seelen zu lindern und Liebe zu schenken.
 
Was bedeutet das für mich hier und jetzt in diesem Leben? Muss ich Angst haben? Muss ich mich anstrengen? Muss ich irgendwas schaffen oder erreichen, um einem strafenden Gott zu gefallen? Nein.
 
Ich darf mich einfach daran erinnern, warum ich hier bin: Ich habe mich aus tiefstem Herzen (hier sitzen Gott und die Seele) dazu entschieden auf diesem Planet Erde zu inkarnieren und Liebe zu sein. Liebe zu verkörpern und zu geben. Und das ist alles, worauf es ankommt.
 
Bg. 15.15
Ich weile im Herzen eines jeden, und von Mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Das Ziel aller Veden ist es, Mich zu erkennen. Wahrlich, Ich bin der Verfasser des Vedānta, und Ich bin der Kenner der Veden.
 
Spirituelle Praxis
Und ja, spirituelle Praxis hilft dabei ungemein. Aber es geht nicht darum. Es geht nicht darum wie viele Gita Verse du aufsagen kannst oder wie viele Runden du chantest. Und auch nicht darum welche Asanas oder Pranayamas du übst usw. Das sind alles ganz individuelle persönliche Dinge, die niemanden etwas angehen müssen und die man vor allem auch weder vergleicht oder beurteilt. Einer steht um 4 Uhr auf, ein anderer erst um 8 – so what? Es geht darum, wie sehr es Deine Fähigkeit zu lieben steigert.
 
Ob deine spirituelle Praxis zu dir passt und für dich wirksam ist, erkennst du daran, dass sie dich verändert. Dass sie die Schichten von Angst, Trauma und falschen Glaubenssätzen abpellt und deine Liebe immer mehr durchscheinen lässt. Du erkennst es daran, ob sie dir Momente der Ruhe, Zufriedenheit und Erkenntnis schenkt, die dich vom Glauben zu tiefem Wissen führen und deine Fähigkeit zu lieben und Liebe zu sein steigern.
 
Aufschwung der Erde aus dem Kaliyuga
Und ich möchte noch einen Punkt kurz erwähnen: Seit dem Abstieg der Erde ins Kali Yuga hat sich die Schwingung stark erniedrigt und ist auf die Frequenz von Angst gegangen. Das ist der Grund warum wir überall noch Angst und Trauma sehen können.
 
Alle Systeme basieren auf Angst, Menschen haben Angst voreinander und sogar Religionen agieren mit Angst. Aber diese Zeit ist jetzt vorbei. Seit 2012 steigen wir wieder auf – das merken wir alle. Deshalb kommt jetzt alles ans Tageslicht, was uns davon abhält vollkommen in der Liebe zu sein. Und wir sind eingeladen, alles, was mit Angst zu tun hat zu verabschieden und zu heilen.
 
Und das große Geschenk dabei ist – und das ist vielleicht auch der Grund, warum jetzt gerade so viele Seelen inkarnieren, dass es jetzt – im Moment des Aufstiegs oder der Schwingungserhöhung – ganz leicht geht, aber trotzdem nicht automatisch. Wir sind uns also bewusst darüber und dürfen unseren freien Willen einsetzen und wählen, ob wir in Liebe oder in Angst handeln. Und das ist das allergrößte für die Seele, wenn sie bewusst Liebe geben kann.
 
Und Gott jubelt auch – denn wenn wir einfach in der Liebe wären, weil wir so programmiert sind, dann wären wir nicht mehr als Roboter, die ihr Programm abspulen. Aber in dem Moment, in dem wir wählen können, liegt eine Freiwilligkeit vor. Und Liebe ist immer freiwillig.
 
Liebe heißt auch Nein sagen
Zum Schluss noch ein letzter Punkt:
Heißt Liebe sein und Liebe geben, dass wir immer Ja und Amen zu allem sagen müssen? Ganz sicher nicht. Wir dürfen Nein sagen, denn das ist auch Liebe. Und wenn wir das ohne Angst vor Ablehnung und ohne Verurteilung des anderen tun, dann kann die andere Person das wahrscheinlich auch gut annehmen.
 
Beispiel Messerstecher im Park
Beispiel Kollegen lästern auf der Arbeit über eine Kollegin, die nicht da ist.
 
Natürlich sollten wir jemanden zurückhalten, wenn er uns oder anderen schadet (wenn es im Rahmen unserer Möglichkeiten ist, ansonsten müssen wir schauen, wie wir die Betroffenen schützen können). Aber wir tun es eben nicht aus Wut heraus, weil wir dem anderen unterstellen, dass er oder sie schlecht oder bösartig ist (auch wenn er etwas Schlechtes tut), sondern wir wissen, dass dieser Mensch es gerade nicht besser kann, weil er oder sie einen Mangel an Liebe fühlt. Und wir sagen oder tun etwas mit dem Ziel uns selbst oder die anderen Betroffenen zu schützen. Punkt. Mehr nicht. Es braucht keine Verurteilung.
 
Wenn wir es möchten, können dem Menschen gedanklich Liebe schicken, denn der Mangel an Liebe hat ja zu dem schädlichen Verhalten geführt.
 
Abschluss
Also ich hoffe, es ist klar geworden, dass es keinen wütenden, strafenden Gott gibt, der uns nach dem Tod richtet und in die Hölle schickt, wenn wir ihm nicht genug waren. Denn hey, er hat uns selbst erschaffen und er hat uns perfekt gemacht. Oder sollte Gott zugeben, dass er mit uns einen Fehler gemacht hat?
 
Das hat er sicherlich nicht. Aber er hat uns eben aus seiner unendlichen Liebe heraus auch den freien Willen gegeben, den wir als Menschheit im Kali Yuga ausgiebig genutzt haben, um Angst und Ausbeutung zu schaffen. Aber vielleicht musste das auch so sein, damit wir die Dunkelheit erfahren – das, was wir nicht sind, um uns jetzt ganz bewusst für das zu entscheiden, was wir sind, nämlich reine Liebe.
 
Und wir müssen nicht auf den Tod warten, um in den Himmel zu kommen. Wir können ihn heute hier manifestieren, indem wir liebevoll mit uns selbst und anderen umgehen. Und wenn die Seele irgendwann damit zufrieden ist, wie viel Liebe sie in ihrem menschlichen Leben verkörpert hat, dann geht sie vielleicht in die spirituelle Welt und kommt nicht zurück. Vielleicht hilft und unterstützt sie die Lebewesen dann von dort. Oder sie entscheidet sich dennoch wieder auf die Erde zu kommen, weil sie so viel Mitgefühl mit ihren Brüdern und Schwestern hat – wer weiß das schon?

Deine Göttliche Bestimmung finden

Dieses Thema ist mir besonders wichtig, weil es jeden von uns betrifft und mein Leben schon von Grund auf transformiert hat. Ich bin durch das Buch „How to find your live’s divine purpose – Brain Software for a new civilisation“ von Gregor Maehle dazu gekommen. Wenn dich das Thema mehr interessiert, kann ich Dir dieses Buch wärmstens empfehlen. Es gibt es bisher nur auf Englisch.
 
Hast du dich auch schon mal gefragt, was Menschen in spirituellen Vorträgen oder Yogaausbildungen eigentlich genau damit meinen, wenn sie davon sprechen, dass man dem Göttlichen dienen soll?
Mache dich zum Instrument Gottes, lass das Göttliche durch dich wirken, diene dem Göttlichen usw.
 
Bei mir kamen die folgenden Interpretationen vom Dienen – oder auch hingebungsvoller Dienst genannt – an. Schau doch mal, ob du etwas davon kennst:
 
Dienen ist spirituelle Praxis – Asanas, Pranayama, Meditation, Japa, Kirtan, Schriften studieren, ect.
Dienen ist, sich an gewisse Regeln zu halten, wie z.B. kein Fleisch essen, keinen Alkohol trinken usw.
Dienen ist dem Guru zu dienen.
Dienen ist Spenden zu geben.
Dienen ist etwas für andere zu tun.
 
Aber da liegt meiner Meinung nach ein ganz großes Missverständnis vor:
Alle diese Dinge können mir helfen und mich dabei unterstützen herauszufinden, was mein Dienst ist, bzw. können Sie mich auf allen Ebenen fit machen, um meinen Dienst bestmöglich auszuführen. Sind aber nicht der Dienst selbst.
 
In der Bhagavat Gita sagt Krishna zu Arjuna diesen berühmten Vers:
 
Bg. 3.35
śreyān sva-dharmo viguṇaḥ
para-dharmāt sv-anuṣṭhitāt
sva-dharme nidhanaṁ śreyaḥ
para-dharmo bhayāvahaḥ

 
Es ist weit besser, die eigenen vorgeschriebenen Pflichten zu erfüllen, selbst wenn dies fehlerhaft geschieht, als die Pflichten eines anderen vollkommen zu erfüllen. Es ist besser, bei der Erfüllung der eigenen Pflicht unterzugehen, als den Pflichten eines anderen nachzukommen, denn dem Pfad eines anderen zu folgen ist gefährlich.

 
Was heißt das?
Hingebungsvoller Dienst oder dem Göttlichen zu dienen ist etwas ganz Individuelles und persönliches. Dafür kann dir niemand eine Anweisung geben. Auch der Guru nicht. Was Dein ganz persönlicher Dienst ist, das kannst du nur von der Göttlichen Quelle direkt erfahren – wenn du dich dafür öffnest. Und genau das ist der Knackpunkt:
 
Warum wissen die meisten Menschen nicht, was ihre Göttliche Bestimmung ist? Weil sie nicht empfänglich dafür sind. Sie sind viel zu sehr damit beschäftigt das zu verwirklichen, was ihnen von der Gesellschaft als erstrebenswert einkonditioniert wurde, als dass sie sich für ihren Göttlichen Plan öffnen könnten – das ist das, was die Seele will, deshalb auch Seelenplan genannt.
 
Wie viele Menschen laufen Zielen hinterher, die gar nicht ihre eigenen Ziele sind? Nur weil sie denken, das müsste so sein oder weil das vernünftig ist, sterben aber innerlich vor Langeweile und Traurigkeit, weil sie einfach nicht tun, wonach ihre Seele verlangt?
 
Da sind dann Gedanken wie: ich kann das nicht, ich bin sowieso nicht gut genug, andere werden mich auslachen, was, wenn ich versage? Damit verdiene ich nicht genügen Geld usw.
 
Außerdem sind wir voll mit Konditionierungen und Glaubenssätzen, die uns davon abhalten uns dem Göttlichen hinzugeben. Der Glaube, dass man auf eine Weise nicht gut genug ist, Gott nicht wahrnehmen kann oder nur durch einen Mittelsmann in Kontakt treten könnte usw. hält uns genau davon ab.
 
Unsere Lehrer, Gurus und spirituellen Praktiken helfen uns dabei, diese unheilsamen Glaubenssätze und Programmierungen aufzulösen, damit wir empfänglich werden. Denn die Information ist die ganze Zeit da. Das Göttliche hält nichts zurück. Gott kommuniziert mit ALLEN! Und zwar die ganze Zeit und pausenlos! Gott wohnt im Herzen eines jeden Lebewesens (Bhagavat Gita, 15.15) – also auch in DIR! Aber er offenbart sich nur so weit, wie wir uns hingeben und wie wir es für möglich halten (Bhagavat Gita, 4.11).
 
Bg. 15.15
sarvasya cāhaṁ hṛdi sanniviṣṭo
mattaḥ smṛtir jñānam apohanaṁ ca
vedaiś ca sarvair aham eva vedyo
vedānta-kṛd veda-vid eva cāham

 
Ich weile im Herzen eines jeden, und von Mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Das Ziel aller Veden ist es, Mich zu erkennen. Wahrlich, Ich bin der Verfasser des Vedānta, und Ich bin der Kenner der Veden.
 
 
Bg. 4.11
ye yathā māṁ prapadyante
tāṁs tathaiva bhajāmy aham
mama vartmānuvartante
manuṣyāḥ pārtha sarvaśaḥ

Alle belohne Ich in dem Maße, wie sie sich Mir ergeben. Jeder folgt Meinem Pfad in jeder Hinsicht, o Sohn Pṛthās.
 
 
Was ist jetzt Dein ganz individueller persönlicher Dienst?
Gott hat jeden Menschen für eine spezielle Aufgabe geschaffen. Man könnte sagen, Gott möchte sich selbst auf eine ganz bestimmte Weise durch DICH erfahren. Dafür hat er Dich mit individuellen Fähigkeiten und Talenten ausgestattet, die nur du in dieser Kombination hast. Du bist einzigartig!
 
Was machst du gerne? Was macht dich aus? Welche Tätigkeit bereitet nicht nur dir selbst Freude, wenn du sie ausführst, sondern auch anderen?
 
Wenn Du etwas gefunden hast, dann kannst Du es überprüfen:
Deine Göttliche Bestimmung hat nichts mit Haben, Darstellen oder Erreichen zu tun. Es geht darum, was Du der Welt geben kannst und was du verkörperst. Es geht um Geben und Sein.
 
Und nochmal: Alle Lehrer und spirituellen Praktiken sind wundervolle Helfer, um dich freizumachen deine Göttliche Bestimmung zu empfangen und auszuführen. Um dich von allen Glaubensätzen und Ängsten zu befreien, die dich davon abhalten. Aber dann liegt es an dir still zu werden und die Göttliche Quelle zu fragen:
 
Wie kann ich dir dienen?
Wie möchtest Du Dich durch mich ausdrücken und erfahren?
 
Und dann werde still und empfänglich. Frage jeden Morgen. Ein paar Minuten reichen und irgendwann wirst du es verstehen.
 
Warum hat Gott ein Interesse daran, sich durch mich zu verkörpern oder daran, dass ich meinen Sinn erfülle?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir verstehen, was der Unterschied zwischen Gott als Quelle, als Brahman (formlos, alles durchdringend) bzw. Bhagavan (Gott als Persönlichkeit) und uns Lebewesen (Seele, Atman) ist.
 
Da wir alle einen Funken des Göttlichen in uns tragen bzw. in unserer Essenz Göttlich sind, habe ich schon öfters Menschen sagen hören: ich bin Gott. Das ist im Zustand vom objektlosen Samadhi richtig, denn in diesem Moment löst sich das Ego, das uns an Raum und Zeit bindet, auf. Aber sobald das Ego wieder einsetzt – und das muss es, da der Mensch sonst nicht lebensfähig wäre – stimmt es nicht mehr.
 
Da Gott kein Ego hat ist er unbegrenzt. Er nimmt alles gleichzeitig wahr: Vergangenheit, Jetzt, Zukunft, alle Orte, alle Wesen, einfach alles. In etwa so, wie wir uns unserem gesamten Körper gleichzeitig bewusst sind.
 
Aber um jetzt hineinzuzoomen und eine bestimmte Raum-Zeit-Erfahrung zu machen, dazu braucht es uns. Und deshalb haben wir ein Ego, da es genau das macht: Es bindet uns – einen Funken des Bewusstseins – an Raum und Zeit und diesen Körper und wir können eine individuelle und getrennte Erfahrung machen. Von daher ist das Ego eigentlich etwas Gutes. Erst wenn wir uns mit Körper und Geist identifizieren und glauben, wir wären das, dann nennt man es das falsche Ego.
 
In meinem Beispiel vom Körper wäre das dann die einzelne Zelle, die sich selbst und ihre direkte Umgebung erfährt. Wir als Mensch nehmen zwar den Körper als Gesamtheit wahr und spüren, wenn er Bauchschmerzen hat oder Hunger, aber wir können nicht feststellen, was jetzt mit der einzelnen Zelle los ist. Zwar spüren wir es, wenn wir uns z.B. in den Finger schneiden, aber eben nicht die einzelne Zelle in ihrer Individualität.
 
Dieses Beispiel hinkt natürlich etwas, denn Gott ist in unserem Herzen gegenwärtig und hört unsere Gebete und ist immer an unserer Seite und weiß genau, wie es uns geht. Gott kann beides – ist ja auch Gott. Aber es braucht uns als Einzel-Lebewesen, um diesen Erfahrungsbereich in Raum und Zeit überhaupt erst mal zu öffnen und uns mit einem freien Willen auszustatten. Gott ist eben ein Paradox, er ist nicht entweder oder, sondern sowohl also auch. Und wir sind als seine Kinder gleichzeitig eins und verschieden mit und vom ihm.
 
Wie setze ich meine Göttliche Bestimmung um?
Darüber brauchst du dir keine Sorgen oder Gedanken zu machen. Wenn du Deine Bestimmung, deinen Dienst empfangen hast, dann kannst Du weiter fragen:
 
Welche Veränderungen sind dafür nötig (an meinen Gedanken, meinem Verhalten)
Wer bin ich, wenn ich diesen Dienst ausführe?
 
Und die Antworten auf diese Fragen haben immer etwas mit persönlichem Wachstum zu tun. Und nur darum kümmerst du dich. Denn nur das hast du in der Hand. Alles andere wird kommen. Geldmittel, Orte, Helfer, Voraussetzungen, Situationen – das wird alles für dich arrangiert, wenn es an der Zeit ist. Du kümmerst dich nur um dich und wie und wer du bist.
 
Dem Göttlichen zu dienen hat also nichts damit zu tun, dein Leben aufzugeben oder in einen Ashram oder Tempel zu ziehen. Das kann für einzelne Personen zutreffen, aber für die meisten ist es etwas anderes. Es geht nicht darum dich selbst zu verleugnen und deine Talente, Fähigkeiten und Deine Freude irgendwo verstauben zu lassen – Nein, du sollst sie leben! Und das ohne Kompromisse oder Einschränkungen! Denn dafür bist Du als Seele hierhergekommen!
 
Und Dein Göttlicher Dienst kann Dir in gewisser Weise auch etwas Angst machen. Denn er wird Dich herausfordern über dich selbst hinaus zu wachsen. Denn du bist viel größer als du denkst! Du kannst so viel mehr, als du dir momentan zutraust. Und natürlich weiß das das Göttliche, denn es hat dich ja gemacht 😉
 
Ich habe noch zwei Mediationen aufgenommen, die dich bei diesem Prozess Deine Göttliche Bestimmung zu finden und zu leben unterstützen können.
Einmal die Sankalpas, um dein Unterbewusstsein umzuprogrammieren und um dich empfänglich für das Göttliche zu machen, dich also auf die göttliche Schwingungsfrequenz von purer Liebe zu bringen, und zweitens eine Meditation mit den Fragen, die Du an der Göttlichen Intelligenz stellen kannst. Beides verlinke ich Dir unter dem Video.
 
Ich wünsche Dir alles Gute! Menschen, die Ihren Sinn leben sind glücklicher und zufriedener und bringen Liebe in die Welt und genau davon brauchen wir noch mehr!